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That Red Lizard
Eynas Viluhr a most unusual Dragonborn. Eynas wasn’t born with the innate spellcasting ability that many others of his race were gifted with. Nor did he grow up using his powerful frame in any physical way. He has spent the last 19 years of his life living in a secluded 2-story structure that lay in the foothills between Mornbryn's Shield and the dreaded Evermors studying the Weave and the history of the Netherese. The building belongs to someone Eynas refers to as the Instructor. The Instructor communicates to Eynas through a glass orb. Eynas has no memories prior to the home and his interaction with the Instructor. All he knows is that the voice checks in on him regularly to see how his studies have fared, ask him hypothetical moral questions, and share guidance on all things magical. Eynas doesn’t know about the Instructor other than that he considers them unbelievably intelligent, and kind.

Eynas hasn’t ventured beyond more than a mile of his home. And his garnish red scales made the limited encounters with other civilized folks uncomfortable. That is until a surly and gruff dwarf by the name of Belgium ended up knocking on the door of Eynas’s home. For whatever reason Eynas found himself comfortable around the dwarf, and thus the two interacted on a regular basis in which Eynas bought alchemical and spellcasting supplies from Belgium.

Until recently Eynas’s Instructor has been content with him to study history and the foundations of magic. However, as of late the Instructor has told Eynas that it was time for him to leave the familiar surroundings and to venture forth with Belgium and learn of the wider world. Eynas’s favorite mantra of the wise voice is “Remember magic can and will destroy you if you do not treat it with caution. Use magic to make the lives better of the those around you, and never stop learning scaled one.”
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Tags: Background , Eynas , wizard
Epic!
Belgium's Background
Born and raised in the Frost Hills, NE region of the Sword Coast, Belgium's grandparents were distant relatives of clan Battlehammer and those that ruled Mithral Hall! Proud shield dwarf descendants that lived rugged, guarded lives.
For decades the Frost Hills and its residents were constant targets of goblin, orc, and ogre raids under which Mithral Hall had succumbed many times. Our clan, clan Ironfist, was determined to remain near Mithral Hall with hopes of future glory and restoration of the legendary hold!
Clan Ironfist were strong dwarf warriors that prospered in the high, frigid country. Most warriors were skilled with shields, hammers and axes, although Belgium had a variety of skills.
Belgium was near a half-foot taller than most kinfolk and had agile reflexes. Belgium trained alike the rest of the clan folk, yet secretly loved the challenge of archery.
As Belgium grew in stature, so did his wits (Wisdom) and prowess with bow and blade (Dexterity). On several occasions Belgium would arrow flying birds and creatures, once an eagle, out of the sky and it earned him the nickname "Snapshot"! Most kinfolk never questioned his extraordinary skills so long as he kept up in shield dwarf trainings.
Near age 70, Belgium's clan began to suffer increased raids like the changing of seasons. Belgium pleaded with garrison commanders to enlist more bowman to help fend off raids, but always received the same refute. With a clang of hammer on shield the commander bellowed "Let them come, we will crush them under our steel!"
And so it happened, two years and 1 season after Belgium's 75th birthday, an Orc and Ogre raid overran clan Ironfist's defenses and sent dwarves scattering down the Frost Hills, hoping to reach River Surdrin and escape a cruel death.
Belgium escaped his home with his bow and pack to the west along the river with great anger and resentment toward the evil humanoid creatures. Hatred toward Giants also grew in Belgium's heart for on that fateful night, he was sure the boulders raining down on his home came from giants and their boisterous taunts.
Since then Belgium, has lived and hunted evil creatures in and about the Surbrin Hills, hoping to avenge his clan's demise as best he can.
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Epic × 2!
Unter Löwen Pt. I
Wenige Meilen hinter Arlingen, 29. Travia 1033 BF

Der Morgennebel lag in fadenartig zerfasernden Schwaden noch über den wild wuchernden Wiesen, die der anhaltende Regen der letzten Tage so kurz vor dem Wintereinbruch noch zu einem letzten, kraftvollen Aufbäumen verlockt hatte. Kräuter und späte Herbstblumen säumten den nur notdürftig gepflasterten Pfad, der den verblichenen Wegweisern zufolge gen Ochsenwasser führte. Zwischen den Steinen durchstießen Unkraut und Wiesenblumen das mehrfach unterspülte Kiesbett oder besser den kümmerlichen Rest davon, der unter den Hufen ihrer Pferde mehr knirschte als tatsächlich das markante Hufgetrappel erschallen zu lassen, das ein gutes halbes Dutzend Berittener sonst wohl begleiten würde. Der Duft von nassem Gras lag in der Luft und ein sanfter Wind zupfte, selbst noch in schläfriger Zurückhaltung, an Wappenröcken, Wimpeln, Umhängen, Haaren und Mähnen. Im Rahja erhob sich, zunehmend in goldene Speere gleißenden Lichts gehüllt, das Praiosmal über den fernen Gipfeln der Trollzacken und vertrieb das herbstliche Spiel feuriger Farben von den wenigen Wolkenstreifen, die über das klare Blau des Himmels zogen. Seine sonst so verheißungsvolle Wärme vermochte Wulfgar auf seinen von der morgendlichen Brise ausgekühlten Gesichtszügen kaum zu spüren, obwohl der blendende Glanz bunte Punkte vor seinen Augen tanzen ließ, als die kleine Gesandtschaft den sanft ansteigenden Hügel erklomm. Vor ihnen breitete sich glitzernd das Ochsenwasser aus, hier zu linker Hand an seinem Firun zugewandten Ufer umschmiegt vom Schwarzen Ochs, wie die einfache Landbevölkerung den Streifen dichten und dunklen Nadelwalds, der auch als Arlinger Forst bekannt war und sich bis zu den Ausläufern der Trollzacken erstreckte, zu nennen pflegte.

Vor ihnen fiel das Gelände wieder ab und führte auf dem gangbaren, aber kaum für schnellere Ritte geeigneten Weg in ein kleines an der Ufersenke gelegenes und landwärts von einer gut drei Schritt hohen Mauer umgebenes Dorf. Dahinter und an der Mündung des Dergel in den Ochsenwasser aus den gurgelnden Fluten ragend lag jedoch das eigentliche Ziel ihrer Reise. Die Wasserburg Travinianshall, die trutzig aus dem über dem See aufsteigenden Morgennebel ragte. Stammsitz des märkischen Ablegers des Ordens des Heiligen Zorns der Göttin Rondra, der vor gut zwei Götterläufen den Löwenbund zur Befriedung der Wildermark ausgerufen hatte. Wulfgar ließ die Hand mit dem Zügel auf den Sattelknauf herabsinken, streckte den Rücken durch und ließ langsam seinen Kopf kreisen. Seine Gelenke knirschten, während er den Anblick auf sich wirken ließ und insgeheim bedauerte, dass Reisende nach Zweimühlen dieselbe Ehrfurcht beim Anblick der alten Zweimühlener Grafenburg wohl kaum verspüren würden. Zu lieblich lag das alte, efeuumrankte Gemäuer mit seinen wohnlichen Türmen und einladenden Fenstern im Herzen der Stadt, entbehrte dabei aber grundsätzlicher Wehrhaftigkeit, die selbst ein befestigter Wehrtempel im nördlichsten Weiden vorweisen konnte. Es war der Krieger, der aus ihm sprach. Der Junge, der in der Moosburger Feste Flaecht-uf-sten aufgewachsen war, seine Jugend auf Burg Räuharsch im Rotwasser verbracht und in Diensten des Stadtherrn von Trallop, Tannfried von Binsböckel, auf der Bärenburg gedient hatte. Rondred Donnerklinge von Salzsteige, seines Zeichens Ardariels und Wulfgars Schwertvater, hatte ihnen einst in seinen Abhandlungen über die Kunst des Krieges und der Belagerung eingebläut, dass eine wahre Burg noch eine weitaus wichtigere Aufgabe erfüllt als nur die offensichtliche.

„Eine wahre Burg lässt den Stolz in der Brust des Betrachters schwellen und nährt die Gewissheit, dass sie über alle ihrer Schutzbefohlenen wacht. Das hier nicht nur die Hand lebt, die herrscht und Recht spricht, sondern auch die Faust, die den Schild eines jeden Angreifers, sei er noch so vermessen und kühn, zerschmettert.“ Die Andeutung eines Lächelns huschte über seine bartgesäumten Mundwinkel. Er hoffte, dass die Zweimühlener ihre Hoffnung aus ihren Taten und nicht dem Anblick ihres Prunkschlösschens schöpften. Der aufkommende Wind, der über die Erhebung strich, blähte die rot-weiß geviertelte Wappendecke, die Graf Hagen trug, auf und ließ an seiner Flanke stolz das Balihoer Wappen, die zwei silbernen Wagenräder auf Rot, flattern. Die Geräusche wogenden, sich in der Brise räkelnden Stoffes aus Richtung der emporragenden Spitzen der am Sattel befestigten Lanzen verrieten ihm, dass es ihm die Banner an deren Ende kurz unter dem blinkenden Stahl gleichtaten. Das war ihr Stolz, die sich unbeugsam im Hauch der Berge regenden beiden übereinander gestellten, roten Mühlenflügelräder auf Gold, auf Fahnen schräg geteilt in Rot und Gold. Ein Wappen, das sie, seitdem die Truppen des Bundes auf den Feldern vor Talf den Vormarsch des Falkenbundes zum Erliegen gebracht hatten, nicht mehr zu verstecken brauchten. Dass in einem Atemzug genannt wurden mit dem tiefer in der westlichen und nördlichen Wildermark operierenden Bund der Stahlherzen, dem Aufgebot der Kaiserlichen, dem ansehnlichen Tross der Häuser Rabenmunds und Bregelsaum, ja gar auch dem Gefolge des Cronverwesers Ucurian von Rabenmund, dem sie die Stirn geboten hatten. Den Gedanken an den Preis, den sie bezahlt hatten, würgte er herunter, als Aruna auf Roana zu ihm aufschloss und sich an seine Seite gesellte. Aller Pracht im Licht des Mals leuchtender Rüstungen, der in kräftigen Farben gehaltenen Wappen und Röcken und der geschmückten Pferde zum Trotz war sie diejenige, die alles überstrahlte.

Ihre aufrechte, stolze Haltung, die in keinem Moment wie die eines geschulten, sondern wie die eines geborenen Reiters wirkte und jeglicher Bewegung im Sattel eine Leichtigkeit verlieh, wie sie selbst erfahrene Turnierreiter niemals an den Tag würden legen können. Sie ließ es einfach aussehen von der Art, wie sie die Zügel führte, wie ihr Körper mit den Bewegungen ihrer eleganten Stute verschmolz, bis hin zu dem Moment, an dem sie wieder vom Pferderücken glitt. Die vollendete Reiterin. Obgleich der stählerne wie exotische Helm mit seinem auffälligen Schweif aus Rosshaar über den Satteltaschen festgezurrt, im gleichmäßigen Tritt Roanas mitschwang und somit dem Bild der Amazone aus den Legenden seine Vollendung verwehrte, kam er nicht umhin, ihre Erscheinung, die sich ihm hier in ihrer reinsten Form darbot, zu bewundern. Der kunstvoll verzierte Bronzekürass, die sich eng und in fast sinnbildlich schützender Umarmung an ihre schlanke, kampfgestählte und dabei keinesfalls der Weiblichkeit entbehrenden Körperform schmiegte, dabei die fein geschwungenen, ja von begabter Hand gemeißelten Schultern und Arme entblößte, deren sonnengebräunte Haut jede Regung, jedes noch so kleine Spiel der bei Berührung felsenharten Muskeln preisgab. Ebenso ihre langen, schlanken Beine, die gekrönt vom wippenden ledernen Streifenschurz gegen die kraftvollen Flanken ihres edlen Amazonenrosses gepresst lagen, ohne dass auch nur der kleinste Hinweis in ihrem Gebaren Anstrengung verriet. In deren weiblicher Anmut nur der im Kampf geschulte Betrachter jene Stärke zu erahnen vermochte, die der bewegungsintensive Kampfstil der Amazonen von den Töchtern der Donnerin einforderte. Eine fahle, ausgebleichte Narbe hob sich auf ihrem linken, ihm zugewandten Oberschenkel von ihrer dunkleren Haut ab, aber Wulfgar war sich sicher, dass sie nur ihm auf den ersten Blick auffiel. Er kannte ihre Narben, jede einzelne davon.

Der Blick, den sie mit ihren im Glanz der aufgehenden Sonne dunkel leuchtenden, fast ölig schimmernden braunen Augen in die Senke warf, war prüfend, entschlossen und verströmte den unbeugsamen, unerschütterlichen Stolz, den er so an ihr bewunderte. Jetzt in diesem Moment. Er wusste, dass dieses Gesicht in all seiner fast mystischen und exotischen Schönheit einer nach der Göttin selbst geformten Kriegerin auch Trauer, Freude und … Liebe in einer Form ausstrahlen konnte, dass sie ihn in seinem tiefsten Inneren berührten. Wie es Rondra selbst gebot, loderte in allem, was sie tat, die aufrichtigste und unverfälschteste Form der Leidenschaft, die er jemals in einem Menschen erlebt hatte. Ihr wallendes, kastanienbraunes Haar umpeitschte ungezähmt ihre edel geschnittenen Züge und sie begann erst jetzt die wilde Flut in einem Zopf zu bändigen. Aruna liebte das Gefühl des Windes in ihren offenen Haaren. Wie er mit einem Schmunzeln zur Kenntnis nahm, entzogen sich auch dieses Mal die beiden widerspenstigen Strähnen ihren geübten Handgriffen und umtanzten weiter unverzagt, entfesselt ihr schönes Gesicht. Er hatte ihr unzählige Male gesagt, dass die beiden ihr edles und sonst auch ein wenig streng wirkendes Mienenspiel wundervoll einrahmten, aber sie hatte sie jedes Mal spielerisch und mit schmollend geschürzten Lippen aus ihrem Blickfeld gepustet. Vielleicht hatten seine Worte aber doch etwas bewirkt, immerhin schien sie sich daran nicht mehr zu stören. Er warf ihr ein liebevolles, wissendes Lächeln zu und nur für einen kurzen Moment, in dem sie sich an der Spitze der Gesandtschaft alleine und für sich wähnten, geriet das einem Tempelfresko entsprungene Bild der fleischgewordenen Amazone ins Wanken, als sie es fast schüchtern und geschmeichelt in diesem flüchtigen Augenblick erwiderte. Dann blätterte der für einen Wimpernschlag durchschimmernde Ausdruck der Frau, die er so schätzte … ja, liebte, mit dem nächsten Windstoß von ihrem Antlitz ab und ihre Konzentration richtete sich wieder auf das kleine Dorf und die daran angrenzende Festung.

Fast widerstrebend löste er seinen Blick von ihr und seine Augen folgten ihren hinab in die Senke. „Und du bist dir sicher, dass das eine gute Idee ist?“ Wulfgar zuckte mit den Achseln und setzte schief lächelnd eine Unschuldsmiene auf. „Wann hatte ich jemals eine schlechte?“ Ihre braunen Augen blitzten kurz kampfeslustig auf, sie blieb ihm jedoch eine Erwiderung schuldig und lachte stattdessen nur kurz auf. „Zugegeben, Kaiser Valpos Entzücken nach der Ernennung von Erlan zum Statthalter spielen zu wollen, war keine meine Sternstunden, aber wir wären bestimmt miiiindestens bis Darpatien gekommen, wenn Paske nicht schon in Almada schlappgemacht hätte.“ Ein spitzbübisches Grinsen konnte Wulfgar sich nicht verkneifen, noch weniger er aus dem Augenwinkel ihr Kopfschütteln wahrnahm und wusste, dass auch ihre Lippen dabei ein leicht tadelndes, aber zugleich belustigtes Lächeln zierte. Er fühlte das Bedauern in sich aufsteigen, dass sie sich in den vergangenen Wochen gefühlt so weit voneinander entfernt hatten, sie sich vielleicht sogar gemieden hatten, weil sie beide nicht wussten, wie sie mit ihrer Situation … dem Verlust umgehen sollten. Einfach nur reden wäre wohl das gewesen, was die meisten anderen gemacht hätten … einander trösten. Aber so einfach war das nicht. Nicht für ihn. Nicht für sie beide. Sie waren Krieger. Sie fürchteten den Tod nicht, solange es nur um sie selbst ging. Einen solchen Verlust zu verkraften, war etwas gänzlich anderes. Wulfgar hatte versucht damit seinen Frieden zu machen, den Tod ihres ungeborenen Kindes zu akzeptieren … ihn hinzunehmen. Aber verheilen würde diese Narbe niemals ganz. Und da er seinen eigenen Schmerz kannte und erlebt hatte, fürchtete er sich vor der Flut an Emotionen, die er in Aruna bei diesen Gedanken aufwühlen könnte. Die sie beide mitzerren und in unterschiedliche Richtungen davonreißen könnte. Sicherlich war das ein Teil seiner Angst. Aruna jetzt auch noch zu verlieren.

Er hatte sich entschieden, diesen Kampf in sich selbst auszutragen. Nicht alleine, dazu war Paskes Anteil an seiner langsamen Genesung zu groß gewesen, aber dennoch, davon war er überzeugt, auch für sie. Um ihr zu zeigen, zu beweisen, dass er noch immer derselbe war. Dass sich für ihn nichts geändert hatte. Das, was sie verloren hatten, war nicht vergessen und er würde dafür sorgen, dass diese Erinnerung nicht verblassen würde, aber jetzt brauchte Aruna ihn. Wulfgar. Als den Menschen, der ihr immer zur Seite gestanden hatte. „Träumst du schon wieder?“ durchbrach ihre Stimme seine Gedanken und er schüttelte sie ab, während ein verschmitztes Lächeln seine Mundwinkel in die Höhe schob. „Vielleicht …“ raunte er und ließ seinen Blick ganz offensichtlich einige Momente zu lang genießerisch über ihre Gestalt gleiten. Schelmisch zwinkerte er ihr zu und genoss es sichtlich sich einzubilden, dass sich unter der sonnengebräunten Haut ihre Wangen röteten. Zumindest redete er sich das ein. Im aufsteigenden Licht der Praiosscheibe, das sich über die zerklüfteten Gipfel des Gebirges reckte, zerflossen solcherlei feine Kleinigkeiten im hellen Glimmen, das sich mit stetig wachsender Kraft und Wärme über die gezackten Berge, den See, die Ebene vor ihnen, aber auch über seine Begleiterin und ihn selbst ergoss. „Ich für meinen Teil würde als einer deiner Arbeiter in Talf ja die Gelegenheit nutzen und in Abwesenheit meiner gestrengen Vorarbeiterin schön eine Hängematte zwischen zwei bereits gestellten Säulen spannen und mir die letzten, wärmenden Strahlen vor dem ersten Schnee auf den Pelz brennen lassen.“ Aruna tätschelte sanft Roanas Hals. Die Stute schnaubte behaglich, aber das kurze Scharren ihrer Hufe verriet, dass sie am liebsten von dem ausgetretenen Pfad abgewichen, ausgebrochen und entlang der Uferlinie über die scheinbar endlose grüne Weite gen Praios gesprengt wäre. In ihrem Temperament mit oder ohne Reiterin. Aber Arunas beruhigendes Klopfen galt beiden, kämpfte die Amazone sicherlich gegen den selben Trieb, den gleichen Impuls an.

Wer konnte es den beiden verdenken? Seit etwas mehr als zwei Götterläufen war Zweimühlen jetzt ihr neues Zuhause. Es war ihnen eine zweite Heimat geworden, aber dennoch hielten die Palisaden nicht nur die Bedrohung von der stetig steigenden Zahl der Städter fern, nein, sie waren auch Sinnbild für die Verantwortung, ihre eigene Verpflichtung, die sie an Verbündete, Schutzbefohlene und Freunde in ihrem schützenden Rund fesselte und sie in die beschaulichen Gassen mit all ihren alltäglichen Sorgen und Herausforderungen sperrte. Ja, die Tore waren niemals fern, von keinem Ort in der Stadt, aber weder Aruna noch Wulfgar wäre jemals ernsthaft in den Sinn gekommen der Stadt unvermittelt den Rücken zu kehren und einfach in irgendeine Himmelsrichtung davonzureiten, wie sie es Jahre zuvor noch getan hatten, wenn Ferne, Abenteuer und die Schlachtfelder der Schwarzen Lande lockten. Etwas hatte sich verändert. Vieles. Alles. Aber inmitten der Wirren und des Kampfes um die Wildermark hatten sie auch zueinander gefunden. „Gut, dass du nicht für mich arbeitest. Außerdem wärst du sicher überrascht, wie viel strenger und herrischer als ich ein alternder, übellauniger Rondrageweihter sein kann.“ Ein kurzes Lachen entwischte ihren Lippen. Grimmige Genugtuung spiegelte sich jedoch in ihrem beiläufigen Schmunzeln, als ihr diese Erkenntnis offenkundig die Gewissheit einbrachte, dass der Bau vermutlich auch an diesem schönen, vielleicht dem letzten für die anstehenden Arbeiten nutzbaren Tag nicht ruhen würde. „Eldrinn hat berichtet, dass er beeindruckt davon war, wie weit ihr schon gekommen seid. Er hat sich wohl bei einer ausgiebigen mittäglichen Pause auf dem Weg nach Gallys mal die Zeit genommen und lustwandelnd bei der Baustelle vorbeigeschaut.“ Wulfgar schüttelte mit dem Kopf und knurrte in gespieltem Ernst. „Wir sollten wohl ein Ausgehverbot nach Gallys erteilen. Einflussreiche Zweimühlener teilen auffällig häufig das Lager mit Söhnen und Töchtern dieses Söldnerlochs. Aber vielleicht ist die Höhenluft auf dem Artema-Berg auch außerordentlich bekömmlich …“

Aruna schmunzelte, aber ihre verräterisch glitzernden Augen bezeugten, dass ihre Belustigung mehr von der Art seines Vortrags herrührte als vom eigentlichen Inhalt. Innerlich verfluchte er sich kurz, dass seine Erzählung zu der vermaledeiten Stadt abgeglitten war. „Ja, der Herr Vogt sollte diese Herumtreiber und Schwerenöter zur Ordnung rufen, bevor sie auf fremden Laken noch etwas Pikantes ausplaudern. Euer Gnaden könnte Hausarrest bekommen, damit kennt sie sich sicher aus … und Küchenverbot in der Burg. Und unser verehrter Herr Magus darf sich nicht mehr zu den Mahlzeiten in der Burg einladen, obwohl wir damit, wie ich fürchte wohl eher den armen Tjolf bestrafen als seinen verwöhnten Herrn.“ Das von ihrem göttergegebenen Ernst gezeichnete, aber dennoch vollkommen aufrichtige Lächeln, dass sie ihm mit ihren Worten schalkhaft zuwarf, war das Schönste, das er seit fast einem Mond an ihr gesehen hatte. Vielleicht … würde alles wieder auf seine gewohnten Pfade zurückfinden? Vielleicht tat er ihnen gut … dieser Ausritt. Der Ausbruch aus dem so vertrauten Alltag, den neuen und alten Gewohnheiten. Ein tiefes, polterndes Lachen entrang sich seiner Brust und er warf den Kopf in den Nacken. „Fürwahr … Herumtreiber …“ gluckste er vergnügt, dann zwinkerte er ihr zu und wandte sich über die Schultern ihrem farbenfrohen Geleit in spiegelnder Platte und Kette hinter ihnen zu. Unter den schmückenden Fahnen, Bannern, Wimpeln und Wappenröcken wahrlich ein Anblick für die Götter. „Bastan, reitet voraus und kündigt uns an. Wir wollen nicht unhöflich sein. Sagt Ihnen … Zweimühlen ist gekommen.“
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Epic!
Nussschalen und Rohalskappen
Borkforst, 19. Travia 1033 BF

Rauschen erfüllte die Luft, ein leises Plätschern durchdrang den dünn bewachsenen Waldsaum des Borkfortes, immer wieder stieß der Beleman sanft durch die Kronen der Rotbuchen und Rosskastanien und tauchte den Wald in ein buntes Spiel aus fallenden, vielfarbigen Blättern. Der Boden war tief und feucht, der lange andauernde Regenfall der letzen Tage hatte den wenig Wasser führenden Knorrbach in einen munter sprudelnden und gurgelnden Bach verwandelt. Graf Hagen und Grimmerich standen ruhig nahe einer eng gewachsenen Baumgruppe im tiefen Sonnenlicht des noch frühen Tages. Zwischen dem Bachlauf und einem umgefallenen Baum ging Paske mit einem Tuchbeutel umher, der Blick war dabei auf den im leichten Nebel liegenden schattigen Boden gerichtet. »Es ist lange her dass ich Rohalskappen und Steinpilze gesammelt habe, es war wohl doch eine gute Idee mich auf einen kleinen Ausritt mitzunehmen, wobei du dabei sicher in erster Linie an die Sicherheit der Ländereien gedacht hast …« Er ging in die Knie um eine kleine Gruppe Pilze mit Hilfe eines kurzen, gekrümmten Messers einzusammeln und lachte scherzhaft auf »Ich hoffe wir vergeuden nicht zu viel Zeit mit dieser ungeplanten Ernte …«

Wulfgar zog begleitet von einem schmierigen Schmatzen seinen Reiterstiefel aus dem aufgeweichten Boden und ließ die Arme kreisen, während er die nach Harz, Regen und Moos duftende Waldluft genüsslich und mit tiefen Zügen in seine Lunge schwemmen ließ. Natürlich hingen in den Gassen Zweimühlens weder die Ausdünstungen hunderter Rinder noch die Wohlgerüche der wappenspendenden Schweine wie in Wutzenwald, aber die Luft unterschied sich dennoch merklich von allem, was der Wind so durch die Gassen der kleinen, von Leben erfüllten Stadt trug. »Wie kommst du darauf, dass ich eine Suche nach den Gaben der gütigen Göttin als Zeitverschwendung abtun könnte? Vielleicht haben wir ja Glück und finden einen wahren Waldmeister? Oder etwas Sauerklee, das bereichert jede Stulle mit Käse. Lediglich Pfeifenkraut bleibt uns hier wohl verwehrt.« Er schmunzelte und stapfte zu einer nahen Ansammlung von locker gestreuten Sträuchern, die wohl erst vor wenigen Monden damit begonnen hatten, sich aus dem Erdreich den Strahlen des Praiosmals, die durch die Wipfel brach, entgegenzurecken.
Seine Hand fuhr behutsam durch das Blattwerk und griff nach einem Stück des raschelnden rotgefärbten Schmucks, dass er sanft aus dem Gewirr löste und in seiner Handfläche begutachtete, ohne es von seinem Zweig abzutrennen. »Bluthasel … in meiner Heimat erzählt man sich, dass Ifirn sich in Zeiten der Not dem Leid der Tiere im tiefsten Winter erbarmte und versteckt, wenn der Blick ihres grimmen Vaters nicht auf ihr ruhte, einige Tropfen ihres Blutes in den Schnee fallen ließ, auf dass an genau dieser Stelle im kommenden Jahr ein neuer lebensverheißender Strauch sprießen sollte.« Er warf einen Blick zurück zu dem am Waldboden kauernden Magier. »Weißt du, Paske, wasdas Schöne an diesen Geschichten ist, die du jetzt gerade bestimmt im Stillen belächelst?«

»Himmel-Ork-und-Wolkenbruch!« entgegnete Paske fluchend, er erhob sich ruckartig wie von der Maraske gestochen, seine Miene war für den Hauch eines Augenblicks von Schmerz gezeichnet. Argwöhnisch betrachtete er seinen Zeigefinger und steckte ihn sich nach reiflicher Überlegung für einen Moment in den Mund um das aus dem kleinen Schnitt sickernde Blut zu saugen. Es dauerte nur wenige Wimpernschläge, bis der Halbelf wieder die Fassung zurückgewonnen hatte. »Wie meinen, ... ach ja, ... dass ein Funken Wahrheit in ihnen steckt, … man sagt ja auch die Weidener wissen zwar, wo dem Ork der Kopf abzuschlagen ist, aber sonst recht wenig von der Welt.« Er grinste leicht und betrachtete kurz seinen Finger und hob dann das Messer und die geschnittenen Rohalskappen vom Waldboden auf, um diese im Tuchbeutel sauber zu verstauen. »Nun etwas Zeit haben wir ja, um noch ein paar Schritte in den Wald zu gehen« Er deutete den plätschernden Bachlauf entlang in Richtung einer Anhöhe. Wulfgar zog fragend die Augenbrauen in die Höhe, ein verschmitztes Grinsen umspielte seinen Mundwinkel, während sein Blick Paskes Fingerzeig folgte. »Du bist wohl im Zorkforst noch nicht genug durch den Matsch gestiefelt, was? Aber was weiß ich einfältiger Weidener schon vom Leben außerhalb der vom Kaminfeuer gewärmten Mauern.« Obgleich er zugegebenermaßen nicht unbedingt der Richtige wahr, um vor dem Svelltaler seine Begabung als Wildniskundiger zu heucheln, belustigte ihn der Gedanke, dass es heute ausgerechnet den Magier nach einem Spaziergang im Wald verlangte, schätzte Paske doch nichts mehr als einen guten Wein und ausgezeichnete Lektüre in der warmen Stube. Vielleicht hatte sein Gefährte auch lediglich einen interessanten Zeitpunkt erwählt, um sich auf sein elfisches Erbe zu besinnen. Vermutlich tat er seinem Freund sogar Unrecht. Paske war nicht Eldrinn. Und dennoch schien er, dem Almadaner Magier nicht unähnlich, diese Seite von sich immer weit von sich zu weisen. »Und um meine Frage selbst zu beantworten, die du in Verweis auf eines unserer zahlreichen Talente abgebürstet hast: Das Schöne ist, dass Sie das Wirken der Götter in unserer Welt spürbar machen. Wer kann schon sagen, ob es wirklich so ist, aber allein der Gedanke daran, spendet Trost und Hoffnung. Deshalb bin ich auch ganz vernarrt in den Mond der Ernte. Anders als alle Orden, Titel oder Heldensänge ist das ein viel unmittelbarer Lohn für alle zurückliegenden Mühen und Anstrengungen.« Aufsteigende Gefühle der Bitterkeit und Kälte, die sich um sein Herz krampften, kämpfte Wulfgar nieder und verbarg sie sorgsam unter einem verklärten, abwesenden Lächeln, als er zu Paske aufschloß. »Pilze sammeln also?« Er legte einen lauernden, aber nicht unfreundlichen Unterton in die Frage, die er an seinen Gefährten richtete. »Ist es das, was den schwer beschäftigten Paske, der sich nur noch selten in der Grafenburg blicken läßt, dieser Tage so umtreibt?« Wulfgar stieß einen kurzen Pfiff aus und Socke, der gerade noch seine Schnauze in einem Kaninchenbau vergraben hatte, hob den schlammverschmierten Kopf und stellte, aufgeregt hechelnd die Ohren an. Er schien abzuwägen, ob er nicht lieber seinem Jagdtrieb nachgehen wollte und trottete dann, nach kurzem Zögern gemächlich an die Seite seines Herrn.

»Ach, dabei solltest doch gerade du dich dabei glücklich schätzen, oder ist dir im Moment etwa nach theoretischen Abhandlungen über die hochgradig komplexen und vielschichtigen arkanen Möglichkeiten wie man ohne einen Hammer einen Eisennagel in ein Brett schlagen könnte?« Feixend legt er ihm für einen Moment eine Hand auf die Schulter »Vielleicht finde ich neben den ganzen Gaumenfreuden auch einen seltenen Pilz, einer der mir das Repertoire an alchemische Rezepturen erweitert, ... warten wir doch einmal ab« Mit ein paar flinken Handgriffen verknotete er den halb gefüllten Tuchbeutel neben ein paar Beutelchen locker an seinem Gürtel, klopfte sich die schmutzigen Hände an der Robe ab und ging dann langsam voran. Ohne weiter ein Mann vieler Worte zu sein, ging er dann die Gedanken ordnend am Bachlauf entlang. Dabei balancierte er spielerisch Schritt für Schritt am steinigen wie schlammigen Rand des Wasserlaufes entlang, Unbekümmertheit lag in seiner Bewegung. »Und was mich beschäftigt, bei den Zwölfen mir war nur nach ein paar Stunden Sonnenlicht fern von allen Dingen, ... nicht das mich etwas bewegt oder Kummer umtreibt. Nur eben die Gedanken schweifen lassen, ... da musst du dir keine Sorgen machen. Und um ehrlich zu sein, muss auch nicht immer die ganze Grafenburg darüber informiert sein worüber sich zwei Freunde unterhalten ... in deiner Küche wird viel geredet.« Nach ein paar weiteren Schritten über den feuchten Grund blieb Paske dann wieder stehen »Aber vielleicht gibt es ja etwas das dich beschäftigt, ich weiß das Thema mag unangenehm sein, Esra erzählte ja schon, dass du eine mögliche Hochzeit in Aussicht hast, und auf der anderen Seite die Geschichte um Aruna, bei Rahja was für eine verzwickte Lage.«

Wulfgar schwieg und blickte Socke nach, der an einem aus dem morastigen Grund ragenden Ast zerrte, bis er ihn dem aufgeweichten Erdreich entrissen hatte und mit übermütigem Knurren triumphierend schüttelte wie einen frisch erlegten Hasen. Der Winhaller Wolfsjäger hätte durchaus auch vergeblich mit einer vom Regen freigespülten Wurzel rangeln können, von daher gönnte ihm der Weidener seinen Sieg, der ihm unter anderen Umständen sicher ein Lächeln entrungen hätte. Sein Gesicht war starr, wie eingefroren und ein Frösteln lief ihm den Nacken herab, als die klammen Hände seiner Erinnerung an der verriegelten Tür rüttelten, hinter der er die unzähligen, verwirrenden und aufwühlenden Empfindungen seit jenen Tagen im späten Ingerimm gesperrt hatte. Bilderfolgen blitzten kurz und gleißend vor seinem inneren Auge auf. Das Zelt, der Streit … seine Stiefel, die einen Schemen mit brutaler Wucht in die Knie zwangen, Schmerzen, flehende … brechende Worte … und der blanke Stahl in seiner Hand, der die jämmerlichen Klänge verstummen ließ. »Warum sollte es mir auch gleichermaßen vergönnt sein, meine Gedanken von derlei Unbill unbehelligt schweifen zu lassen …« seufzte er in aufgesetzter Gelassenheit, die seinen Ärger über die Frage nicht überzeugend zu verbergen vermochte. Nur ein Satz und er hätte die Diskussion fortgewischt … so wie alle anderen vor ihm. Aber er sprach ihn nicht aus, auch in der Furcht die schlummernden Geister zu wecken, die sich eingesperrt offensichtlich in ihr Schicksal gefügt hatten und schwiegen. »Ich bin mir nicht sicher, ob du von mir jetzt eine Antwort darauf erwartest, aber deine Einschätzung trifft den Nagel auch ohne Zuhilfenahme magischer Mittel auf den Kopf …« knurrte er unwillig und sein leerer Blick verlor sich im Dickicht, dass tiefer in den Wald wies. »Es gibt im Moment den Göttern sei Dank genügend andere Dinge über die ich mir den Kopf zerbrechen kann.« Seine Stimme klang hohl und von Müdigkeit gezeichnet. »Vielleicht kommt irgendwann die Zeit, in der wir uns wieder anderen Dingen als diesem lediglich ruhenden Krieg zuwenden können. Aber nicht jetzt.« Eine grimmige Entschlossenheit ergriff von seinen Zügen Besitz und er begegnete Paskes Blick mit einem kühlen Lächeln. Der junge Adept hielt dem Blick des Weideners ruhig stand, als würde er erst einmal eine weitere Reaktion abwarten. Das Unbehagen, das er durch sein Frage in Wulfgar offenbar auslöste, schien ihn für einen kurzen Moment zu verwundern, er seufzte kurz und erhob dann wieder die Stimme »Ich bin mir im Moment auch nicht mehr sicher ob ich eine Antwort möchte. « Die wenigen Worte klangen dabei etwas unsicher, er konnte wohl nicht abschätzen inwiefern ein ernsthaftes Gespräch in diesem Moment der unausgesprochene Angelegenheit Linderung verschaffen könnte. Mit gefassterer Stimmlage und einer versöhnlichen Wärme durchbrach er das unangenehme Schweigen.

»Verzeih wenn das Anrecht auf die Frage nicht verhanden oder der Moment falsch gewählt war.« Sein Blick löste sich wieder vom stolzen Krieger, der in diesem Moment eben wieder wohl seinen eigenen
Kampf für sich fechten wollte. Der Wind frischte in diesem Moment wieder auf, wie eine nicht greifbare Urgewalt stieß dieser durch die hohen Wipfel und fegte die noch wenigen Blätter vom Geäst der alten Bäume. Vereinzelte Verwirbelungen am Waldboden hoben die güldene Blätterpracht wieder vom Boden und trieben sie in die Höhe. Paske zog es wohl eben vor für einen Moment zu schweigen.

Wulfgar wusste nicht genau, ob es Bedauern oder sein schlechtes Gewissen war, dass in ihm aufstieg, aber er fühlte kein Verlangen danach sich jemandem zu öffnen, bevor er nicht mit Esra über seinen Verdacht hatte sprechen können. Jegliche Worte kamen ihm dazu ohnehin nur schwer über die Lippen, ja schnürte ihm der Gedanke daran sogar schon in einem Maß die Kehle zu, dass er fürchtete ersticken zu müssen. Er fürchtete den Moment, in dem er den Damm niederriss und das viele Ungesagte, was ihm auf der Seele brannte, entfesselte und es nur so aus ihm heraussprudeln würde. Alles würde zurückkehren … die Erinnerung, der Schmerz … die Machtlosigkeit … die Wut. So blieb ihm nichts anderes übrig als den Kloß in seinem Hals herabzuwürgen und sich in Schweigen zu hüllen. Nachdem Paske der malerischen Stille im herbstlichen Wald ebenfalls den Vorzug zu geben schien, richtete Wulfgar sein Augenmerk auf den im Schattenspiel glitzernden Bachlauf. Rechterhand und ein paar Schritt die Böschung hinauf, erspähte er einen immergrünen Strauch mit schätzungsweise fingerlangen Dornen und fahlweisen Beeren, der augenscheinlich sowohl den zunehmend kühleren Tagen also auch den weniger werdenden Sonnenstunden zu trotzen schien. Entgegen jeglicher Ansätze, bei denen man leichtfüßiger über die moos- und algenbedeckten aus dem gurgelnden Wasser emporragende Steine zum Überqueren des eiskalten Baches verwendet hätte, entschied er sich für den bei seiner Rüstung praktikabler wirkenden Ansatz. Er stapfte direkt durch die zahme Flut, die seine Stiefel umspülte und sich durch den vom Leder gewaschenen Schlamm in Flussrichtung verfärbte. Er griff nach der freigelegten, kräftigen Wurzel eines nahen Baumes und erklomm schnaufend den sanften Anstieg, der ihn das Gewicht der stählernen Platten abermals spüren und dauern ließ. Vor dem Gewächs ließ er sich auf das linke Knie sinken und legte den Kopf schief, während er den Strauch betrachtete, der sich so auffällig von dem umliegenden Gestrüpp unterschied. Er zog den Dolch aus der Scheide, ließ aber die führende Rechte noch auf den matt glimmenden Beintaschen auf seinem Oberschenkel ruhen. »Paske?« rief er in der Erwartung, dass ihm der Magier noch nicht durch den Bach gefolgt war, gegen das Plätschern des Wassers an.

Dem Ruf nach seinem Namen folgend setzte Paske über und stolperte dabei mehr schlecht als recht über die rutschigen Steine im Bachbett »Ja, was ist?« Nichts ahnend positionierte er sich im Rücken von Wulfgar. Sein Blick fiel erst ein paar Atemzüge später auf den Busch, vor welchem der Weidener nun kniete, gar an die zwei Schritt dürfte dieser Segen der Natur aufragen. »Na, sieh einer an, wenn ich mich nicht täusche, ist das ein Satuariensbusch, ein echter Glücksfund Wulfgar, dieser Strauch birgt bei Hesinde wohl auch mehr Geschichten und Weisheit als man glauben mag.« Auf seine lobenden Worte folgte ein Schmunzeln. »Er soll böse Geister, Wiedergänger und sogar Dämonen fernhalten.« Er deutete auf Früchte und das Blattwerk des Strauches. »Ich schlage vor wir nehmen uns einen Augenblick und sammeln eine handvoll Blätter und Früchte, ein Aufguss damit kann vor Krankheiten schützen - ein wahrer Segen der Herrin Peraine in den kommenden kalten Tagen.«

»Meinertreu ...« Wulfgar ließ einen kurzen anerkennenden Pfiff zwischen seinen Lippen entweichen, während sein Blick an dem Strauch emporkletterte. »Ein Satuariensbusch ...« wiederholte er fast andächtig und in fester Absicht, sich das neu errungene Wissen einzuprägen. »Lass mich raten. Es gibt keine Möglichkeit diesen eigenhändig irgendwo anzupflanzen? Sonst pflanze ich davon eine ganze Hecke um die Grafenburg und verteile getrocknete Beeren vor den namenlosen Tagen an alle, die Schutz in und um die Mauern von Zweimühlen herum gesucht haben.« Natürlich dachte er an die Nächte des Schreckens, die sternlose Finsternis in welcher der Finstermann wiedergekehrt war. Die letzte ... jene Nacht, in der ... Wulfgars Gedanken kamen ins Stocken, sein Herzschlag nahezu zum Erliegen.
Warum hast du es mir verschwiegen, Aruna ... .

Gedankenverloren wog er das Messer in seiner Hand, hoffte das Paske ihm nicht soweit zugewandt stand, dass er in seinem Gesicht zu lesen vermochte. Seine Maske war sein Schild, seine Wehr ... »Die Geister, die Dämonen und Wiedergänger ... was von diesem Busch hält sie fern?« murmelte er mit verräterisch gepresster Stimme, die mühsam die Worte in die Kühle der herbstlichen Luft schob.

Paske fuhr sich mit den Fingern der freien Linken grüblerisch über das glatte bartlose Kinn. Mit der rechten Hand den Blutulmenstab fest umschlossen stützte er seinen Körper leicht auf diesem ab um hier
an der ansteigenden Böschung sicheren Halt zu finden. »Ein Geistesblitz, der nicht abwegig erscheint, wenn das Frühjahr naht, könnten wir es versuchen, dein Talent bei der Feldarbeit wird da sicher Gold wert sein. Und genau zu bestimmen welcher Teil für diesen Schutzbann verantwortlich ist, fällt mir im Moment etwas schwer, ich würde jedoch die Vermutung aufstellen, dass ein hoher Grad an abschirmender Kraft im Gehölz dieses Strauches innewohnt. Wenn wir wieder zurück in Zweimühlen sind, kann ich gerne dazu den ein paar Schriften zurate ziehen. Vielleicht sollte ich aber auch eine grobe Analyse vor Ort durchführen.« Sein blauen Augen wanderten wieder zu Wulfgar, die Anspannung nahm er sichtlich wahr. Er atmete einmal tief durch »Willst du mit mir darüber sprechen?« Er fixierte Wulfgar, wohl wissend dass was auch immer hinter den Worten des Kriegers verborgen lag, sicherlich ein Gespräch alleine nicht zu lösen vermochte. Es wäre aber dennoch zumindest ein Anfang.

Der Weidener ließ ein freudloses Schmunzeln über seine Mundwinkel huschen. »Über die Analyse? Nein, ich denke ich vertraue auf die erste Einschätzung des gelehrten Herrn.« Seine im Lederhandschuh steckende Rechte begann sorgsam das auch hier den Waldboden bedeckende Laub um den schlanken Stamm des Busches herum beiseite zu schieben und er zog aus dem bunten Durcheinander einige wenige kurze, augenscheinliche von passierenden Waldtieren abgebrochene Zweige, an denen nur noch einige verschrumpelte Beeren und bereits verdorrte Blätter hingen. Dann schob er mit seiner rechten Hand behutsam die unteren Zweigreihen des Busches empor und suchte den Stamm nach weiteren angerissenen oder bereits abgeknickten Zweigen ab. Wulfgar wirkte fokussiert, ja entschlossen und Paske hatte gar den Eindruck, als hätte sich sein Ausdruck in Anbetracht der neu gefundenen Aufgabe merklich erhellt und die kurze Düsternis verbannt. Als er das Messer an einem abgeknickten Ast ansetzte, setzte er zu einem kurzen Reim an, der jeden seiner sorgfältigen Schnitte begleitete. »Gütige Herrin, Mutter der Saat … dir zu Ehr und Lob … es ist kein Pfad der Welt so steil, dass ihn nicht Blumen schmücken … nur das bleibt unser eigener Teil, dass wir sie dann auch pflücken …« Mit einem zufriedenen Lächeln befreite er den abgetrennten Zweig aus der Umklammerung der umliegenden Äste und begann ihn von den verbliebenen Blättern und Beeren zu befreien, die er vorsichtig in seinem, am Gürtel getragenen Saatbeutel verstaute. Dann raffte er das erbeutete Holz zusammen, ließ sich auf einem moosbedeckten Stein nur einige Schritt von dem Satuariensbusch entfernt nieder und breitete die Holzstücke auf seinem Knie aus. Das Messer versenkte er im weichen Boden neben seinen Füßen und zog aus einer seiner Gürteltasche eine kleine, grob geschnitzte Holzfigur hervor. Einen kleinen, etwas zu kurz geratenen Krieger oder Ritter in Rüstzeug, der den Griff seines klobigen Schwert an seine Brust gedrückt hielt, wie Paske schien. Der Blick des Hünen lastete für einen Moment fast liebevoll auf dem kleinen Schnitzwerk, dann beschlich Paske das Gefühl, dass Wulfgar dem Blick aus den kleinen hölzernen Augen nicht länger standhalten konnte, als er sich wieder den Zweigen zuwandte und die Figur neben dem aus dem Boden ragenden Messer, das er jetzt wieder hervorzog, auf das Laub bettete. Dann machte er sich daran die gesammelten Zweige zurechtzustutzen.

Wortlos, schweigend und nachdenklich saß er da und vertiefte sich in seine Arbeit. Und obwohl sich Paske der Sinn der Handlungen seines Gefährten nicht zur Gänze erschloß, war er sich dennoch sicher gerade Teil eines bedeutsamen Momentes für den Krieger geworden zu sein. Ohne lange zu zögern, gesellte Paske sich zu seinem Gefährten und machte es sich neben Wulfgar nahe des Steines auf einem entwurzelten Baumstamm gemütlich. Dabei wählte er seinen Platz so dass das ansteigende Praiosauge seinen Sitz mit wärmenden Strahlen erhellte. Neugierig verfolgte er die Zeremonie, welche eben noch in einer frühen Phase zu stecken schien. Da nun wohl ein Umstand der Ruhe und eine erste erholsame Pause vorgesehen war, fischte Paske ganz in Manier eines Lebemann seine langstielige Holzpfeife hervor, stopfte diese mit mildem methumischen Tabakkraut und fing an genussvoll zu schmauchen. In beständigen Abständen hingen nun dichte Rauchschwaden in der Luft, welchen ein würzig-süßer Duft anhaftete. »Was soll das werden, willst du da eben etwa aus den dünnen Zweigen einen Talisman flechten?« In seiner Stimme klang weder Spott noch Belustigung, es war der offene und freundliche Ton von jemandem, der seinen Gegenüber verstehen wollte.

»Einen Kranz, um mein wallendes Haar zu bändigen…« gab Wulfgar scherzhaft zurück, ohne innezuhalten oder seinen vertieften Blick von seiner Arbeit zu heben. Immer wieder hielt er die dünnen Holzstücke vor das fahle Licht, dass durch das Blätterdach schimmerte und schien deren Länge abzumessen. Wenn nötig, griff er wieder zu seinem Messer und die überschüssigen Reste der kurzen Stücke mischten sich unter das niedergetretene Laub um seine schlammverspritzten Stiefel. Ein zufriedenes Grunzen verkündete das Ende seiner Schnitzarbeit, aber das, was er dort auf seinem Schoß lose sammelte, glich eher den Teilen einer winzigen, vom tosenden Augrimmer umgewehten Palisade. Er fischte nach kurzem Kramen ein Knäuel Zwirn, das er sonst wohl für die gröbsten Ausbesserungen an seinen Gewändern auf der Reise zu nutzen pflegte, aus den offenbar unerschöpflichen Untiefen seiner Gürteltaschen und begann die Hölzer kleinteilig und stellenweise etwas umständlich zu umwickeln. Die Minuten verstrichen, ohne das Wulfgar ein weiteres Wort verlor. Ungewöhnlich genug für den sonst so geselligen und redseligen Krieger aus Baliho, aber sein Gesicht strahlte eine Ruhe und Friedlichkeit aus, die Paske so bei seinem Begleiter noch nicht bewusst wahrgenommen hatte. Dennoch spürte er, und wenn es nur das leichte Zittern der Finger des Recken war, dass dem Magier verriet, dass Wulfgar gegen etwas ankämpfte. Als er den Garn wieder verstaute, tauchte die Glut des sich am Horizont herabneigenden Praiosmals den Wald in ein feuersattes Farbenspiel, dass sich an den zahllosen Rot- und Gelbtönen der Baumwipfel, der fallenden und bereits gefallenen Blätter labte und mit diesen zu einer glühenden Pracht verschmolz. Wieder erkannte der Lowanger die Erschöpfung und Kraftlosigkeit, welche die bartumrahmten Züge des Zweimühlener Vogtes ausstrahlten, als sich sein Blick zwischen den umstehenden Bäumen verlor, in unbekannte Ferne starrend. »Früher, als ich noch ein kleiner Knirps war, der seiner Schwester überall hin folgte, haben wir manchmal Nussschalen am seichten Ufer in den Pandlaril gesetzt und sind ihnen, soweit wir konnten, nachgelaufen.« Das ferne glucksende Lachen von Kindern hallte durch seine Erinnerungen. Wie die Stiche dutzender winziger Dolche, die jede Stelle seines Körpers fanden, der nicht mit mattem Stahl bedeckt war. »Wir haben uns immer gefragt, ob es an der Mündung des Flusses bei Trallop wohl jemanden gab, der sie alle herausfischen würde, bevor sie auf den Neunaugensee hinaustrieben. Ardariel hat gemeint, dass die Fischer eines Tages von einer neuen Insel im See erzählen würden, die über und über nur aus den Nussschalen der Kinder entlang des Pandlaril bestehen würde.« Ein bitteres Lächeln schlich sich auf Wulfgars Lippen. »Sie hat mir versprochen, dass wir eines Tages mal dorthin rudern würden, wenn sie erst das Ungeheuer im See selbst bezwungen hätte.« Er schluckte schwer. »Damals haben wir noch die Ungeheuer gefürchtet … die Drachen … die Oger … Riesen und Dämonen.«

Er richtete sich auf und seit langer Zeit begegnete sein Blick wieder dem seines Begleiters. Tiefer, unausgesprochener Schmerz spiegelte sich in seinem im Leuchten des Waldes dunkel glühenden Augen. »Kein Ungetüm … keine Sagengestalt … hat mir jemals diese Schmerzen zugefügt. Ein Leben, das erlischt, bevor es sein Licht in unsere Leben werfen kann, hinterlässt Dunkelheit in meinem Herzen … Leere, Schwärze … die kein Feuer erhellen kann.« Er bückte sich nach der kleinen Holzfigur, die dort im Moos noch auf dem Stein lag und drehte sie nachdenklich zwischen seinen behandschuhten Fingern. Paske schluckte schwer, all die klugen Worten und Ratschläge, die sonst in seinem Kopf kreisten waren wie fortgeweht, und selbst wenn er sie zu fassen bekommen hätte, welchen Sinn würden sie ergeben? Diese Offenbarung ließ einen Kloß in seinem Hals anschwellen. Nur langsam setzte er an, seine Worte waren leise und er kam ins Stottern. »Ich, ... ich, ... du, ... du« Es war ihm anzumerken, dass er sich hilflos fühlte. Was sollte er nur sagen oder tun? Was konnte er tun, konnten seine Worte doch niemals dem Leid und Verlust Wulfgars in irgendeiner Form gerecht werden. So erhob er sich und trat an Wulfgars Seite, seinen rechte Hand legte er dabei vorsichtig auf die Schulter des Kriegers, er wollte ihm in diesem Moment keine Umarmung aufzwingen, also ließ er diese dort trostspendend ruhen. Er setzte abermals an und zwang alles, was er an Kraft aufzubringen vermochte in seine Stimme. »Ich bin und werde für dich da sein, mein Freund. In jeder Form in der ich dir meine Hilfe angedeihen lassen kann. Meine Vorstellungen können sicher nicht den Schmerz fassen welcher durch deinen unglaublichen Verlust in dir brennt. Also sprich mit mir, wenn du kannst und teile deinen Schmerz.« Wulfgars nickte langsam, während sich seine Schultern mit dem tiefen Atemzug, den er nahm um sich zu sammeln, hoben und senkten. Aus seinem schwachen Lächeln sprach die Dankbarkeit für Paskes Worte. »Wie viel tiefer muss der Schmerz noch bei Aruna brennen … wie viel dunkler noch die Finsternis, die Leere … in ihr selbst sein. Und ich kann ihr nicht die Hilfe zuteilwerden lassen, die sie braucht, weiß ich doch kaum selbst wie ich das Loch in meiner Seele wieder aufschütten kann.« Sein abwesender Blick schien aus den Erinnerungen, in denen er geschwelgt hatte, zurückzukehren und richtete sich auf die kleine Ritterfigur. »Ich habe keine Ahnung, ob sie einen Junge oder ein Mädchen unter ihrem Herzen getragen hatte, aber es erschien mir naheliegend, dass sie einst wie wir eine Rüstung getragen hätte.« Er rang hörbar mit den Worten, die sich über seine Lippen quälten. Seine Augen schimmerten glasig. »Verstehst du, ich wusste nicht einmal, ob ich einen Jungen oder ein Mädchen schnitzen sollte … ich wollte mir vorstellen, wie es wohl gewesen wäre … noch Stunden nach meinem Streit mit Aruna saß ich brütend in einem Wäldchen vor Talf und versuchte nach den unzähligen Momenten zu greifen, die man uns genommen hatte. Splitter dieser Zukunft aufzuklauben, zusammenzustecken und mir auszumalen, was wohl gewesen wäre, wenn …« Er verstummte und schloß die Augen. Sammelte sich für einige Augenblicke, bevor er sie wieder aufschlug. »Ich kann Aruna nicht heilen, keiner kann das. Und manchmal frage ich mich, ob ich überhaupt einen Anrecht auf diesen Schmerz habe, da ich doch selbst das neue Leben niemals an meiner Brust,auf meinem Arm spüren durfte … dass ich nicht einmal geahnt habe, dass zwei Herzen nun in Aruna schlugen, wenn wir beisammen lagen. Sie hat es gespürt, gefühlt, wie es wächst … das kleine, unschuldige Leben.« Seine Stimme stockte.

»Aruna hat es gewusst, Esra hat es gewusst … nur ich in meiner übersprudelnden, unbedarften Art habe weder die Zeichen erkannt noch das Geringste geahnt. Und jetzt fühlt es sich an, als hätte jemand ein großes Stück aus meinem Herzen geschnitten. So viel, dass ich gar nicht weiß, wie es möglich sein soll, das es immer noch schlägt.« Wulfgar legte die um die Holzfigur geschlossene Hand auf seine linke Brust und senkte den Blick. »Weißt du, Paske, mein Schwertmeister hat mich immer gewarnt, dass ein einziger ungezielter und die schützenden Ketten durchbrechender Pfeil, der im Zufall mein Herz durchbohrt, mein Leben beenden kann. Hier und jetzt … Vom einen auf den anderen Wimpernschlag … Das hier fühlt sich so an.« Er pochte mit der Faust gegen den matten Harnisch seiner Rüstung. »Aber ich stehe noch. Weil es alle von mir erwarten. Weil Zweimühlen und die Wildermark uns brauchen. Doch dieser niederhöllische Schmerz … er bleibt. Und in jedem Moment der Einsamkeit, Ruhe oder Rast wird er stärker. Wenn ich in Arunas Augen blicke … wird er stärker. Wenn ich Kinderlachen durch die Straßen hallen höre … oder mich in Erinnerungen flüchte …« Er brach ab, sein Gesicht verzerrt vom Kampf gegen die Tränen, die ihm in die Augen stiegen. Unvermittelt fasste sich der Weidener wieder und zog in einem trotzigen Aufbäumen seiner ruppigen Art die Nase hoch. Ein Teil der Düsternis schien von ihm abzufallen, als er auf der geöffnete Linken das kleine Floß wog und die Ritterfigur sanft, fast zärtlich in dessen Mitte bugsierte. Er flüsterte beinahe, als er mit kraftloser Stimme das nur von den Geräuschen des Waldes durchspülte Schweigen durchbrach.

»Ich … konnte nicht einmal Abschied nehmen. Von unserem Sohn … unserer Tochter, als sie … oder er die Reise über das Nirgendmeer antrat. Aber ich habe die Hoffnung, dass er … sie es hören … oder spüren kann … wenn ich unseren kleinen Ritter dem Bachlauf übergebe, dessen hüpfende Wellen ihn in den ewigen Schlaf schaukeln sollen …« Unerwartet durchbrach ein warmes, hoffnungsvolles Lächeln seine grüblerische Ernsthaftigkeit, dass ihn in diesem Moment nicht weniger verletzlich wirken ließ, aber von seiner tiefen Entschlossenheit kündete. »Geschützt vor Geistern, düsteren Träumen und der Angst. Etwas, dass unser Kind wissen läßt, dass wir da sind und eines Tages zu ihm zurückkehren werden.« Paske löste seine Hand wieder von Wulfgars Schulter und sein Blick glitt zu dem sich friedlich durch sein abgesunkenes Bett schlängelnden Bachlauf. Er begleitete Wulfgars Worte dann und wann mit einem beipflichtenden Nicken und schien, andächtig in den geweckten Gedanken versunken, zu begreifen. »Dann soll es so sein, ... lass uns an diesem Tag, in dieser Stunde einen Anfang wagen um den Schmerz verblassen zu lassen. Und lass uns ehren und behüten was war und sein wird ... der Gedanke an das Kind, ein Geschenk der Götter ...« Seine Stimme war leise und einfühlsam. »Ich bin mir sehr sicher, dass aus deinem Kind ein großer Kämpfer geworden wäre.« Die Sätze fielen ihm sichtlich schwer und krochen nur zögerlich über seine Lippen, während er damit rang den Frieden dieses stillen Momentes jetzt nicht mit unbedarften, unbedachten Äußerungen zu stören. Soll doch nun der Anfang gewagt werden, dass die fürchterlichen Ereignisse um diese Tragödie vergehen … ja, langsam verblassen können. Er ging ein paar Schritte und lauschte in das Rauschen des Baches. Die gesammelten Rohalskappen in seinem Tuchbeutel waren schon längst in Vergessenheit geraten. Ein Geschenk der Götter, wiederholte Wulfgar nachdenklich in seinem Geist. Ja, das und nichts anderes war ihr Kind wohl gewesen. Er hob sein Haupt und blickte durch eine der ungezählten Lücken in den Baumkronen, die sich im Wind wiegten und durch die das von den vorherrschenden Rottönen verfärbte Blau schimmerte, himmelwärts. Insgeheim wünschte er sich, dass die Zwölfe ihm eines Tages eine Antwort auf seine drängendste Frage geben würden, aber er war sich bewusst, dass sie ihm keinerlei Rechenschaft schuldeten … nur warum hatten sie ihnen dieses Geschenk wieder genommen? Ihm diesen Teil seines Herzens herausgetrennt … gerissen? Seinen Verstand mit Hilflosigkeit und Trauer gelähmt? Ja, ihn sogar zornerfüllt zweifeln lassen … Er wusste es nicht, verstand es nicht … würde es wahrscheinlich niemals erfahren … Aber im Tode gab es nur eine Gewissheit. Dass alles, jeder Funke, endlich war.

Ihm blieb nur seine eigene Vermutung davon, was die Zwölfe ihm vermitteln wollten. Aber alles davon konnte seinen Geist, seine Entscheidung in diesem Moment weder eintrüben, noch das sanfte Lächeln
von seinen Zügen vertreiben, das liebevoll auf dem kleinen Floß in seinen Händen ruhte. Noch, geliebtes Kind, bleibt es mir verwehrt dich kennenzulernen, aber es gibt etwas … einen Abdruck davon, wer ich
bin, den ich dir mit dem Flüstern der Fluten schicken kann. Ganz gleich, wie weit du von uns entfernt bist. Damit du weißt, wie gerne ich dir der Vater gewesen wäre, der einst mein Vater für mich war. Grüße Avon herzlich von mir. Er ist … war ein hervorragender Geschichtenerzähler und so hoffe ich, dass du eine Ewigkeit auf seinem Schoß in seiner Umarmung verbringen kannst, während du seinen Geschichten über die Orte lauschst, die auch dir eine Heimat gewesen wären. Und irgendwann … Wulfgar schlug die Augen nieder und ließ seinem Blick dem Bachverlauf folgen, bevor er sich im Gestrüpp und Dickicht stromabwärts verlor … komme ich nach und bringe neue Geschichten mit.

Verstohlen verdrückte er sich eine Träne, die sich zwischen seinen Lidern auf seine Wange geschlichen hatte und nickte Paske zu, der selbst grübelnd und ergriffen am Rand der Senke stand, durch die sich der Knorrbach seinen Pfad durch den Wald gegraben hatte. Dann begann er vorsichtig Schritt um Schritt mit dem Abstieg, um sein spätes Geschenk den wispernden, glucksenden Fluten zu übergeben.
Session: Herbstliche Ehren - Monday, Nov 13 2017 from 6:00 PM to 10:00 PM
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Epic!
Unbesiegbar
Heerlager des Talfer Bundes, Wildermark, in den letzten Tagen der Rondra 1033 BF

Für einen kurzen Moment schien Wulfgar zu straucheln, ganz wie jemand dessen Schild gerade unter einem mächtigen Hieb zerschmettert worden war. Seine Hand stemmte sich auf das stützende Holz des schweren Eichentisches, der in der Mitte des von der Wärme des jetzt noch über den Horizont hinwegblinzelnden Praiosauges aufgeheizten Zeltes gefunden hatte. Seine Hand zitterte. Unmerklich, aber dennoch stark genug als dass Aruna es wahrnehmen konnte.

“Wir ... Ich ... Warum bei den Göttern ... warum hast du es mir nicht gesagt? Niemals hätte ich dich mit den anderen ziehen lassen ...“ Seine Stimme verlor mit seinen Worten zunehmend an Kraft, wurde heiser und presste die wenigen Sätze nur umso eindringlicher und mühsam zwischen seinen Lippen hervor. Und dennoch wirkte es so, als wäre das Gros seiner Worte an sich selbst gerichtet. Als würde er noch vergeblich versuchen zu begreifen, was sie ihm gerade eröffnet hatte.
Aruna war auf die Knie gesunken, mit hängendem Kopf und Schultern ruhte sie, zitternd und bebend auf dem flachgetreten Boden des vögtlichen Zeltes.

Sie hob den Blick und mit schmerzerfüllter Miene und aus tränenerfüllten Augen sah sie an dem Weidener Krieger empor.
"Eben darum, Wulfgar." Sie schluckte und schluchzte.
"Niemals hättest du mich ziehen lassen, nicht nur Gallys... auch..." ihre Lippen bebten. "Talf... Eldrinn, Esra und Paske hätten Talf aufgegeben... wir..." Die Stimme der sonst so stolzen und aufrechten Amazone drohte zu brechen und sie hielt einen kurzen Augenblick inne, um sich mit den Handflächen über das Gesicht zu streichen. Die beiden wiederspenstigen Strähnen ihres kastanienbraunen Haares ließen sich zwar durch keine Macht dieser Welt bändigen, doch die Tränen konnte sie sich von den Wangen streichen.

"Wenn ich nicht... wir... wir stünden ganz alleine hier. Umzingelt von Feinden... was hätte ich denn tun sollen?!"
Es war weniger ein Vorwurf an den Moosgrunder Recken als ein verzweifelter Hilfeschrei an sich selbst.

In Wulfgar brodelte der Wunsch sich von dem Tisch abzustoßen und die Lücke zu schließen, die sie trennte, vor ihr auf die Knie zu gehen und ihren Kopf mit seinen Händen zu stützen um ihr in die Augen zu sehen und zuzuraunen, dass alles gut werden würde. Ganz so wie damals, als sie Ludalf von Wertlingen vor den Attentätern des verräterischen von Drôlenhorst gerettet hatten. Als er seine starke Löwin zum ersten Mal unter der Last ihrer Gefühle hatte zusammensinken sehen ... doch seine Beine folgten dem stummen Impuls nicht, seine Muskeln waren wie erstarrt, verkrampft in dem unsäglichen Schmerz, der in seinen Adern der feurigen Glut einer Esse gleich in seinen Adern pochte.

Eine Art von Schmerz, den er in dieser Form nicht kannte und alles überstieg, was selbst die schartigen Schwerter des Finstermannes in seinem Körper losgetreten hatten. Kluge, mitfühlende Worte kreisten in seinem Kopf, zerplatzen aber, sobald er in dem Funkensturm in seinem Inneren nach ihnen fischte. Seine Zunge klebte am Gaumen, löste sich nur schwerfällig und in der Anmutung unendlicher Erschöpfung, die sich in seinem Körper breitmachte. Das Mal der Alveranierin Raskorda auf seiner Brust schien zu glühen und er spürte wie es auf seiner Haut brannte, als würde jemand ein frisch aus dem Feuer gezogenes Brandeisen auf seine Haut pressen.

“Ich ... Talf ... Wir ...“ setzte er mehrfach vergeblich mit erstickender Stimme an. “Warum? Aruna ... Warum?“ Alles, jeglicher Gedanke in seinem Kopf wand sich schlangengleich um diese eine Frage, beraubte ihn jeglicher Kraft und Farbe in seiner sonst so tönenden Stimme. Seine Worte klangen hohl und dumpf in seinem Schädel nach. Fremd ... als hätte er sie nicht selbst ausgesprochen oder erkannte sich selbst nicht wieder.

“Ich hätte nie ...“ Er hatte ... das war das “Aber“ das ihm selbst dieses letzte Ansetzen unter den wackeligen Beinen wegzog. Irgendwie gelang es ihm seinen freien, bislang nutzlos an seiner Schulter hängenden Arm zu regen, ihn wie unter großer Anstrengung emporzuschieben und in einer Geste wortloser Betroffenheit seine Hand auf Mund und Kinn zu legen. Eine Geste der Hilflosigkeit, die in grellem Kontrast zu der aufkeimenden Verzweiflung in seinen trübe schimmernden, blauen Augen stand. Er hatte das Gefühl zu fallen.
Mit nahezu unerträglichem Schmerz in den Züge blickte die junge Amazone erneut auf zu ihrem Gegenüber. Unter einer Grimasse presste sie ihre Lippe aufeinander und schloss die Augen.

"Ich... ich kann dir keine... Antwort geben, die dich zufrieden stellen würde," presste sie vorsichtig und mit wankender Stimme zwischen ihren Lippen hervor. "Ich weiß nicht, vor welche Prüfung die Götter mich... uns... hier stellen und wieso all das geschehen ist."
Aruna schluckte und presste die Augenlider aufeinander. Tränen rannen ihre Wangen herab und fielen von ihrem Kinn.

"Ich wollte dich nicht damit belasten... natürlich hätte ich es dir früher oder später gesagt... aber... wir haben Aufgaben hier... Bestimmungen... Menschen, die ihre Leben in unsere Hände gelegt.." erneut zeichneten tiefe Falten die Stirn der Amazone und der Schmerz hinterließ tiefe Schatten über ihren Zügen.

"Ich habe das... nicht gewollt. Natürlich nicht. Ich wollte ihn nicht... Reto... ich wollte ihn nicht töten... müssen. Aber... aber als ich das Gift spürte, das auf seinem Dolch...". Sie schluckte und verstummte, stützte sich mit einer Hand auf den Boden und schüttelte wortlos den Kopf.

Ihre Blicke begegneten sich kurz, aber Wulfgar gelang es kaum der Verzweiflung in ihren tränengefüllten, dunklen Augen standzuhalten, bevor sein Antlitz abwenden musste und die Hand sinken ließ. Doch in seine Trauer, den Schmerz über den Anblick seiner gebrochenen Geliebten und längsten Freudin und seine eigene Machtlosigkeit mischte sich etwas anderes. Kalte, brutale Wut ... er ließ die Hand nicht einfach sinken, er ballte sie zur Faust und mit einem wütenden, markerschütternden Brüllen fegte er Pergamente, hölzerne Figuren und einen schweren Lederband vom Tisch in seinem Rücken, der mit einem dumpfen Geräusch eines trotzigen Aufschlages auch ein kleines Tintenfässchen und ein Bündel Federn mit sich in die Tiefe riss.

Er spürte den Schmerz, der durch das unnachgiebige Holz in seine weiß gewordenen Knöcheln drückte, aber vor dem Toben, dem Zerren in seinem Körper verblasste wie vereinzelte Wassertropfen auf vom Praiosauge erhitzem Pflaster. Seine Unterarme, seine Schultern, sein ganzer Körper bebte. Einige Augenblicke lang verharrrte er in dieser Haltung, abgesehen von dem diesem Zittern regungslos ... schweigend ... sein starrer, lodernder Blick bohrte sich in die feine verästelte Maserung der Tischplatte. Er schloss die Augen ... nur kurz, aber lange genug um den nebelhaften Schleier abzustreifen, der sich über seinen Blick herabgesenkt hatte.

Er verdrängte die Bilder, die in ihm aufstiegen ... von Momenten, die gewesen waren und jenen, die nie so stattgefunden hatten ... um die sie sich selbst gebracht, betrogen hatten ... die Nacht, die das Ende des Finstermannes aber auch den Ausbruch ihrer lange sorgsam weggesperrten Gefühle gesehen hatte ... ihren ersten sich kreuzenden Blick, in dem noch etwas anderes ausser ihrer bedingungslosen Freundschaft verborgen lag ... die Stunden, in denen sie sich auf zerwühlten Laken engumschlungen und herumalbernd unter dem durch das geöffnete Fenster herabscheinenden Praiosmal geräkelt und scherzhaft über Namen unterhalten hatten ... Arunberth, Kunigunde, Ulfhelm, Perainer ... er kämpfte mit den Tränen.

Unbesiegbar, unverwundbar hatten sie sich gefühlt ... war es real oder nur ein Abbild dessen, was ihnen jetzt so unvermittelt, so plötzlich genommen worden war? Er hatte keine Gelegenheit ... er schluckte und versuchte vergeblich den Kloß in seinem Hals wieder herabzuwürgen. Er fühlte, wie der Zorn seinen hässlichen Hals durch die enggesteckten Grenzen seiner Wahrnehmung reckte und die Wut erneut in ihm emporkochte. Auf Aruna, seine Gefährten, die sie nicht hatten beschützen können. Auf sich selbst, dass er seine Zeit hier in diesem Zelt mit den Spitzfindigkeiten oberflächlicher Adeliger und nicht bei ihr ... nicht an ihrer Seite verbracht hatte ... Auf die Götter ... tränenblind blinzelnd tastete er nach dem hölzernen Falken mit den ausgebreiteten Schwingen, der sich wie im Hohn seinem Wutanfall entzogen hatte und begrub ihn in seiner Faust. Und drückte zu. Bis sich die stumpfen Spitzen seiner Flügel in seine Handfläche bohrten.

Die niedergeschlagene, noch immer auf Knie gesunkene Amazone beobachtete den weidener Krieger mit feuchten, traurigen Augen. Mit zitternden Beinen erhob sich ihr geschundener Körper mühsam. Zögernd, langsam und vorsichtig machte sie einen schwankenden Schritt vorwärts und streckte behutsam die Hand nach seiner Schulter aus.

Als ihre Hand sich unversehens auf seine Schulter legte, zuckte der Hüne unwillkürlich zusammen. In jedem anderen Moment hätte er sich die Wärme ihrer Berührung herbeigesehnt ... aber nicht in diesem. Er fühlte sich erschreckend nackt, verletzlich und das obwohl ihm das bei Aruna unter normalen Umständen niemals unangenehm vorgekommen kam. Er wollte nicht, dass sie ihn so sah, ihm in die Augen blicken und von seiner eigenen Trauer und ziellosen Wut darin würde lesen können. Er wollte ihr der Fels in der Brandung sein, der er immer gewesen war, aber er fühlte wie ihn der Strom seiner Empfindungen trotz aller verzweifelten Bemühungen dagegen anzupaddeln, mitriss. Hätte er Anzeichen für das ungeborene Leben unter ihrem Herzen erkennen können, ja ... müssen?

Wieviele Entscheidungen hätte er umgekehrt und geändert, wenn die Zeit ihm die Möglichkeit dazu gegeben hätte? Spielte es noch eine Rolle? Er oder sie, ihr ungeborenes Kind trieb namenlos und vergessen in Satinavs Sog. Ein Zeichen der jungen Göttin, das sie für einander bestimmt waren, widerrufen in der Hitze eines Augenblicks. Aufgrund der Taten eines einzelnen Mannes und einer feige vergifteten Klinge ... die Berührung ihrer Hand wirkte so zart, gleichzeitig so ungeahnt kraftlos. Wenn er sie jetzt erwidern würde ... befürchtete er das Aruna zerspringen könnte. Diese Wut trieb ihre Wurzeln tief unter seine Haut und instinktiv wusste er, dass die Flammen seines Zornes, die in seinem Körper ihr hungriges Mahl hielten ihr keine Wärme spenden würden.

Er konnte ihre Hitze spüren und das Ziel, dass sie an verbrannten Armen ins Zentrum seines Bewusstseins hoben, fühlte die aus seiner Handfläche sickernde Glut, die den umklammerten Falken zu ertränken suchte. Ihm seine kümmerlichen Flügel abreißen und ihr geiferndes, reißzahnbewehrtes Maul in seinen Nacken schlagen wollte. Er entwand sich ihrem Griff und schleuderte die Holzfigur mit einem weiteren wuterfüllten Brüllen in eine entlegene Ecke des Zeltes. Seine ungesehenen Tränen verdampften sobald sie seine vom daruntertobenden Feuersturm glühende Haut berührten. Zumindest fühlte es sich so an.

Benommen stolperte er ein oder zwei Schritte gegen sich seinen Weisungen widersetzenden Beinen vorwärts und stützte sich wankend gegen den Stützbalken in der Zeltmitte, während er die freie Hand vor das Gesicht schlug. Seine Schultern zuckten unkontrolliert, als sich sein Schluchzen entgegen aller inneren Widerstände Bahn brach.
“Götterverdammt, Aruna!“ zwängte er zwischen zusammengepressten Zähnen hervor. Sein Blut tobte ohrenbetäubend durch seinen Schädel. Er tobte vor Wut und spürte dennoch wie schwach er sich fühlte, während er zerrissen zwischen unbändigem, entfesselten Zorn und lähmender Traurigkeit trieb wie ein abgebrochener Ast in den schäumenden Fluten des Pandlaril.

“Wovor hast du dich so sehr gefürchtet, dass du es mir nicht sagen konntest? Davor, dass ich alles, was zwischen uns wahr Lügen strafen und dich alleine lassen könnte?? Dass ich ausgerechnet in diesem Moment eine Seite an mir entdecken könnte, die mich in der ärgsten Schlacht von deiner Seite weichen ließe??“ Das Mal auf seiner Brust schien im Takt mit seinem Herzschlag zu pulsieren.

“Ja, im schlimmsten Fall hätte ich dich auf Graf Hagen gebunden und notfalls unter Zwang aus diesem verfluchten Landstrich geschleift! Einmal, nur ein einziges Mal wäre es nur um uns gegangen! Ohne die ganze, verfluchte Verantwortung, die wir niemals wollten! Niemals gesucht haben!! Einmal nur aus diesem ständigen Ringen, dem täglichen Kampf auszubrechen, in dem wir ständig nur darauf achten müssen nicht auf das falschen Wappen zu pissen!!“ Wulfgar kam ins Stocken, verschluckte die unausgesprochenen, tief in ihm gehegten Gedanken, die ihn begleiteten, seitdem sie begonnen hatten in Zweimühlen mit ihrem eigenen Blut und Schweiß etwas aufzubauen ... etwas, das er zuvor nicht gekannt hatte, ihn in schwachen Momenten noch immer einzuschüchtern vermochte und in den Guten die Hoffnung schürte, etwas bewirken zu können.

Mehr als ihnen alleine möglich wäre, wenn sie auf allen Schlachtfeldern Aventuriens kämpfen würden. Es war ... ungerecht. Sie gaben den Menschen in der Mark Hoffnung, etwas auf das sie vertrauten, es wagten hier neue Existenzen aufzubauen, sich niederzulassen, zu siedeln ... und wenn es nur in einem Zelt zwischen dem Talfer und dem Wehrheimer Tor war. Kinder ... zu bekommen. Ein nahezu übermächtiges Gefühl des Schwindels drohte Wulfgar zu überwältigen und er konnte hören, wie der Pfosten an den er sich stützte unter seiner Last ächzte.

“Bei den Göttern ... Aruna, haben wir nicht auch das Recht auf ein kleines ... unser eigenes Wunder?!“ Seine Stimme, die bislang anklagend in das Tosen seiner eigenen, jeglicher Ordnung entbehrenden Emotionen gebrüllt hatte, war bedeutend leiser geworden. Als würde er nach seinem Ausbruch kraftlos zusammensacken. “Ein Kind, unser Kind ... Aruna ... Sie ... haben es uns genommen ...“ Seine Schulter sank gegen den Pfeiler, während er Aruna das Gesicht halb zuwandte und ihren Blick suchte. Seine Augen schimmerten glasig, aber in ihnen loderten die Flammen seiner Wut.

Aruna rannen einzelne Tränen aus den Augenwinkeln.
"Ich... ich weiß es nicht, Wulfgar... vielleicht war ich dumm... vielleicht fürchte ich mich davor, dass alles irgendwie... dieser wunderbare Traum... mit einem Mal zuende... vielleicht hat die Herrin andere Pläne für mich... für uns..." Aruna verschluckte sich beinahe an den Worten, die ihre zitternde Stimme hervorbrachte.

"Vielleicht fürchte ich mich auch einfach nur davor...," doch die Worte blieben in ihrem Halse stecken und sie presste bitter die Lippen aufeinander, unfähig, das Ungesagte in die Welt hinaus zu tragen. Aruna blickte hilflos, schuldbewusst zu Boden.

Wulfgar sammelte das erschreckend Wenige an Kraft, dass ihm sein Körper in diesem Moment zuzugestehen vermochte und stemmte sich über die Schulter wieder empor. Dennoch konnte man es kaum als ein aufrichten bezeichnen. Seine Schultern waren eingesunken und seine Arme fühlten sich seltsam kraftlos an. Ausgelaugt und als hätte jemand sämtliche Kraft aus ihnen herausgequetscht. Er unternahm einen unsicheren Schritt in Arunas Richtung. Zu seiner Gefährtin, seiner Freundin ... seiner ... sein eigener, brodelnder Verstand verschluckte das Wort und eine ferne Stimme in ihm grollte: “Sie hat es dir verheimlicht. Die Gefahr auf sich genommen ohne dir deinen Anteil an dieser Entscheidung zuzugestehen.“

Seine Zahnreihen waren fast schmerzhaft aufeinandergepresst und es kostete ihn Mühe sie zu lösen. Seine Augen schimmerten feucht, aber seine Züge wirkten auf grässliche, ungerechte Art und Weise unerbittlich, hart und kühl. Er konnte es spüren, aber kein entwaffnendes, die Schärfe nehmendes Lächeln auf seine Lippen zwingen. Obwohl alles in ihm danach brüllte, danach verlangte. Aber er war nicht mehr Herr seines Körpers, nicht mehr Herr seiner Regungen oder gar Emotionen, die in ihm emporsprudelten.

“Wovor fürchtest du dich?“ zischte er. “Wovor könntest du dich mehr als vor diesem verfluchten Moment fürchten?? Diesem Moment, in dem ich beginne zu begreifen, dass wir unsere Tochter ...“ Seine Stimme bebte. “Unseren Sohn verloren haben??“ Für einen kurzen Moment spürte er die Kraft zurückkehren, fühlte wie sich seine Muskeln mit Zorn füllten und spannten. Nur ein, vielleicht zwei Schritt von Aruna entfernt, warf er sich vorwärts, packte mit beiden Pranken die Tischkante und warf ihn begleitet von dem furchtbaren Getöse, als die darauf noch verbliebenen Gegenstände ins Kullern gerieten und zu Boden stürzten, auf die Seite.

Der dumpfe, schwere Aufprall fuhr ihm bis ins Mark. Seine Muskeln brannten ob der unvermittelten Anstrengung, aber er spürte es kaum ... konnte nicht ... in ihm war nur Leere. Endlose, jegliche möglicherweise trostspendenden Gedanken verschluckende Leere. Ein gähnendes Loch ... etwas, dass die unvermittelte Nachricht vom Tod ihres Kindes, von dessen Existenz er bis vor kurzem noch nicht einmal etwas geahnt hatte, in seine Seele, den Schutzpanzer seiner sprichwörtlichen Unbekümmertheit gerissen hatte.

“Vielleicht hat die Göttin andere Pläne für dich ... für uns ...“ wiederholte er ihre Worte, begleitet von einem verächtlichen Schnauben. Der Kerzenschein warf düstere Schatten auf sein Aruna nur noch seitlich zugewandtes Antlitz. Seine Augen starrten ins Leere. Seine Worte bahnten sich nur mühsam ihren Weg über seine Lippen. Schleppten sich kraft- und klanglos ins Zeltinnere. “Und was ist mit unseren Plänen? Was ist dann mit uns, wenn die Götter uns dieses Geschenk, diesen Wink des Schicksals verwehren?“ Er schüttelte langsam den Kopf und schloss die Augen. “Du ... du solltest schlafen gehen ... du ... brauchst Ruhe.“ Er bückte sich nach seinem Tabakbeutel und der Pfeife, die zwischen Pergamenten, Karten und Holzfiguren auf dem Boden lagen.

Wulfgar suchte ihren Blick. Unsicher, unschlüssig, verletzt und erschüttert. In seinem Herzen brannte nur ein einziger Wunsch. Aruna zu trösten, sie in die Arme zu schließen und endlich zu hauchen, dass alles wieder gut werden würde. Auch er sehnte sich nach Trost, nach den richtigen Worten, den Gedanken, die ihn wieder ruppig auf den richtigen Pfad zurückrempelten ... aber es war zu früh. Die Wunde war zu frisch ... er wollte allein sein ... nachdenken.

“Ich ...“ setzte er an und seine Stimme versagte ihren Dienst. Beschämt griff er nach seinem Umhang und wankte zum Zelteingang. Nur ein paar Schritt noch, mahnte er seinen Körper. Dann kannst du mit mir machen, was du willst.

Westruh, Wildermark, in den ersten Tagen des Efferd 1033 BF

Zurückgeworfen vom eisenverstärkten Schaft fuhr die Klinge seines Zweihänders nieder, nutzte die Wucht, die sein Hieb, der die Deckung des Söldners hinter dessen Hellebarde ausgehebelt hatte, in seinem schweren Rauschen entfaltete. Blut spritzte, als er die stählerne Brustplatte zertrümmerte und das schreiend bunte Gewand, dass der Söldling darunter trug, wie altes, brüchiges Pergament zerschnitt. Sein Brüllen erfüllte den Helm, dessen Sichtschlitze sich im Wissen darum, dass der Söldling sich von der beigebrachten Verletzung nicht mehr erholen würde vom schmerzverzerrten Antlitz des jungen Mannes abwendeten und sich in berechnender Kälte auf die junge Frau mit dem Federbarett richteten, die mit jetzt nur noch halb so entschlossener Miene das Kurzschwert umklammerte, als sie ihren Gefährten jämmerlich schreiend fallen sah. Mit einem Halbschritt versuchte sie die Reichweite seines Zweihänders zunichte zu machen und ihm die Klinge in den Leib zu stoßen.

Gleichgültig ließ es Wulfgar drauf ankommen und ihren Angriff passieren, während er selbst den nach dem Hieb gegen ihren Kumpanen über den Kopf emporgerissenen Zweihänder auf sie herabschnellen ließ. Er spürte den Stich kaum, der wohlgezielt an den Plattenstücken seiner Rüstung vorbei, die wattierte Unterkleidung durchdrang und ihm einen schmalen Schnitt zufügte. Sein Zweihänder hingegen grub sich mit ungebremster Wucht in den kaum von der Brustplatte beschirmten Bereich zwischen Hals und Nacken. Erst als die Klinge sich zwischen Schlüsselbein und dem hoffnungslos verbogenen Stahl der schützenden Brünne verkeilte, drückte er den schweren Stahl über den Griff wieder leicht empor, schob sich in seiner matten Rüstung einem unaufhaltsamen Ungetüm aus Stahl und Blut vorwärts und zwang ihren erschlaffenden Leib mit einem mitleidlosen, heftigen Tritt in den Staub, während er den Bidenhänder aus der klaffenden Wunde schälte. Ihr Schrei erstickte in einem Gurgeln. Seine Schläfen pochten. Von rechts stürmte ein Landsknecht heran, die Infanteriewaffe zu einem kräftigen Stoß auf Brusthöhe gereckt. Ein dumpfes, schnalzendes Pochen brachte seinen Angreifer spürbar aus dem Tritt, während sich sein Gesichtsausdruck von zornerfüllter Überzeugung zu überraschtem Entsetzen wandelte. Er verlangsamte unkontrolliert, taumelte, machte noch ein, zwei Schritte und sank dann auf die Knie. Ein Bolzen ragte aus seiner Schläfe.

Unwirsch rempelte Wulfgar den vorsackenden Körper mit seiner plattenbewehrten Schulter beiseite. Vor ihm schloßen vier, mit unsicher zuckenden Augen die nahen Gebüsche entlang der Böschung absuchende Söldner die ausgedünnte Formation vor einem Schemen, der beide Hände ausbreitete. „Aufhören! Haltet ein!!“ gellte der Ruf eines Mannes durch die Senke. „Ich gebe Euch wonach es Euch verlangt! Gold, Geschmeide! Nehmt auch unsere Waffen, wenn es Euch von unserer friedlichen Absicht überzeugt.“ Wulfgars Schritt wurde keineswegs langsamer, allerdings hob er den gepanzerten Arm und bedeutete den Uhdenbergern in seinem Rücken das Feuer einzustellen. „Tretet beiseite, wenn Euch Euer Leben lieb ist.“ Knurrte er mit donnernder, blechern verzerrter Stimme über das Stöhnen und Ächzen der Verletzten hinweg den Söldnern zu. „Legt die Waffen nieder und ihr werdet verschont!“ blaffte er, noch während sie eine Gasse zu der Gestalt öffneten, die sich im Rücken ihrer Formation verbarg. Das mehrstimmige Klirren aufeinanderprallender und abgeworfener Waffen quittierte, dass sie seiner Aufforderung Folge leisteten. Er selbst öffnete den Riemen unter seinem Visierhelm und hob die geschlossene Faust. „Sichert die Waffen und nehmt sie in Gewahrsam.“ Ins Gesicht des vielleicht 40 Sommer zählenden, dunkelhaarigen Mannes, der jetzt kaum noch fünf Schritt von ihm entfernt war, stieg die Zornesröte.

„Wer seid Ihr, dass Ihr Euch erdreistet …“ Wulfgar gab ihm keine Gelegenheit seinen Satz zu vollenden. Er streifte nur den Helm ab und ließ ihn achtlos ins blutige Gras fallen. „I … Ihr …“ stieß der Mann zwischen zusammengepressten Zähnen hervor, während die Farbe wieder aus seinem Antlitz wich. “Gisbert Gilborn von Talf, vom heutigen Tage an geltet Ihr für euer verdammungswürdiges Bündnis mit den Schergen des falschen Kaisers, kraft der mir verliehenen Legitimation als Vogt Zweimühlens, als Verräter und Bedrohung für das Heil der mir anvertrauten Seelen …“ Er ließ die Worte wirken, stapfte aber weiter unumwunden und ohne Umwege auf den in teure Gewänder gehüllten einstigen Vogt Talfs zu, der zunehmend und mit langsam von ehrlicher Furcht durchtränktem Blick vor ihm zurückwich. Sich allerdings ob der sich aus den Gebüschen über der Senke schälenden Bewaffneten wohl darauf besann, dass an Flucht nicht zu denken war. Sein in quälender Langsamkeit vollzogener Versuch sich Wulfgars Zugriff zu entziehen, endete jäh, als die Hand des Weidener Kriegers vorschnellte, den einstigen Landadeligen am Kragen packte und ihn in den Staub des nur dürftig ausgetretenen Pfades zu ihren Füßen schleuderte.

Wulfgars Gesicht war eine furchtbare Maske des Schmerzes und unaussprechlichen Hasses, auch wenn dieser mehr der unmöglich zu ergreifenden Gelegenheit galt, die er hatte verrinnen lassen müssen, als ihm der goldene Falke so unaussprechlich nah gekommen war. Am Lagerfeuer … nur wenige Meilen vom Heereslager des Falkenbundes entfernt … Seine Zähne knirschten. Die Nacht, in der er Paske das Richtige hatte tun lassen. Für die Wildermark. „Ihr habt bereits einmal Zweimühlen verraten, als Ihr dem Ruf Eurer Baronin Svanja Ragnasdottir nicht in die Schlacht auf dem Mythraelsfeld gefolgt seid. Euer Exil hat Euch keinesfalls Demut gelehrt … nein, ganz im Gegenteil! Ihr verbündet Euch mit einem Feind, der offen gegen den hier geschaffenen Bund zu Felde gezogen ist.“ Wulfgars Stimme war eisig, aber sein ganzer Körper bebte vor Wut. Gisbert Gilborn kroch rückwärts. „Ihr … Ich … Lasst mich doch erklären! Ich verlange einen gerechten Prozess!“ Das schiefe, fürchterliche Lächeln, das Wulfgar auf seinen Zügen spüren konnte, ließ ihm selbst das Blut in den Adern gefrieren. „In der Wildermark gilt das Faustrecht und mit Eurem wiederholten Verrat habt ihr jegliches Anrecht auf einen …“ Er spuckte das Wort förmlich aus. „ …Prozess verwirkt.“

Gisbert hob beschwichtigend die Hände. „Herr Nordfalk, ich bitte Euch … ich kannte Euren Vater! Er war ein großer, gerechter Mann.“ Wulfgar öffnete einen der Beutel an seinem Waffengurt und zog etwas daraus hervor, dass er dem Flehenden zuwarf. Einen kleinen blutverkrusteten, hölzernen Falken. „Aber mich …“ zischte Wulfgar. „Mich kennt ihr nicht.“
Session: Der Zug der Fürstin - Garadan - Monday, Aug 07 2017 from 5:00 PM to 8:00 PM
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