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Unbesiegbar
Heerlager des Talfer Bundes, Wildermark, in den letzten Tagen der Rondra 1033 BF

Für einen kurzen Moment schien Wulfgar zu straucheln, ganz wie jemand dessen Schild gerade unter einem mächtigen Hieb zerschmettert worden war. Seine Hand stemmte sich auf das stützende Holz des schweren Eichentisches, der in der Mitte des von der Wärme des jetzt noch über den Horizont hinwegblinzelnden Praiosauges aufgeheizten Zeltes gefunden hatte. Seine Hand zitterte. Unmerklich, aber dennoch stark genug als dass Aruna es wahrnehmen konnte.

“Wir ... Ich ... Warum bei den Göttern ... warum hast du es mir nicht gesagt? Niemals hätte ich dich mit den anderen ziehen lassen ...“ Seine Stimme verlor mit seinen Worten zunehmend an Kraft, wurde heiser und presste die wenigen Sätze nur umso eindringlicher und mühsam zwischen seinen Lippen hervor. Und dennoch wirkte es so, als wäre das Gros seiner Worte an sich selbst gerichtet. Als würde er noch vergeblich versuchen zu begreifen, was sie ihm gerade eröffnet hatte.
Aruna war auf die Knie gesunken, mit hängendem Kopf und Schultern ruhte sie, zitternd und bebend auf dem flachgetreten Boden des vögtlichen Zeltes.

Sie hob den Blick und mit schmerzerfüllter Miene und aus tränenerfüllten Augen sah sie an dem Weidener Krieger empor.
"Eben darum, Wulfgar." Sie schluckte und schluchzte.
"Niemals hättest du mich ziehen lassen, nicht nur Gallys... auch..." ihre Lippen bebten. "Talf... Eldrinn, Esra und Paske hätten Talf aufgegeben... wir..." Die Stimme der sonst so stolzen und aufrechten Amazone drohte zu brechen und sie hielt einen kurzen Augenblick inne, um sich mit den Handflächen über das Gesicht zu streichen. Die beiden wiederspenstigen Strähnen ihres kastanienbraunen Haares ließen sich zwar durch keine Macht dieser Welt bändigen, doch die Tränen konnte sie sich von den Wangen streichen.

"Wenn ich nicht... wir... wir stünden ganz alleine hier. Umzingelt von Feinden... was hätte ich denn tun sollen?!"
Es war weniger ein Vorwurf an den Moosgrunder Recken als ein verzweifelter Hilfeschrei an sich selbst.

In Wulfgar brodelte der Wunsch sich von dem Tisch abzustoßen und die Lücke zu schließen, die sie trennte, vor ihr auf die Knie zu gehen und ihren Kopf mit seinen Händen zu stützen um ihr in die Augen zu sehen und zuzuraunen, dass alles gut werden würde. Ganz so wie damals, als sie Ludalf von Wertlingen vor den Attentätern des verräterischen von Drôlenhorst gerettet hatten. Als er seine starke Löwin zum ersten Mal unter der Last ihrer Gefühle hatte zusammensinken sehen ... doch seine Beine folgten dem stummen Impuls nicht, seine Muskeln waren wie erstarrt, verkrampft in dem unsäglichen Schmerz, der in seinen Adern der feurigen Glut einer Esse gleich in seinen Adern pochte.

Eine Art von Schmerz, den er in dieser Form nicht kannte und alles überstieg, was selbst die schartigen Schwerter des Finstermannes in seinem Körper losgetreten hatten. Kluge, mitfühlende Worte kreisten in seinem Kopf, zerplatzen aber, sobald er in dem Funkensturm in seinem Inneren nach ihnen fischte. Seine Zunge klebte am Gaumen, löste sich nur schwerfällig und in der Anmutung unendlicher Erschöpfung, die sich in seinem Körper breitmachte. Das Mal der Alveranierin Raskorda auf seiner Brust schien zu glühen und er spürte wie es auf seiner Haut brannte, als würde jemand ein frisch aus dem Feuer gezogenes Brandeisen auf seine Haut pressen.

“Ich ... Talf ... Wir ...“ setzte er mehrfach vergeblich mit erstickender Stimme an. “Warum? Aruna ... Warum?“ Alles, jeglicher Gedanke in seinem Kopf wand sich schlangengleich um diese eine Frage, beraubte ihn jeglicher Kraft und Farbe in seiner sonst so tönenden Stimme. Seine Worte klangen hohl und dumpf in seinem Schädel nach. Fremd ... als hätte er sie nicht selbst ausgesprochen oder erkannte sich selbst nicht wieder.

“Ich hätte nie ...“ Er hatte ... das war das “Aber“ das ihm selbst dieses letzte Ansetzen unter den wackeligen Beinen wegzog. Irgendwie gelang es ihm seinen freien, bislang nutzlos an seiner Schulter hängenden Arm zu regen, ihn wie unter großer Anstrengung emporzuschieben und in einer Geste wortloser Betroffenheit seine Hand auf Mund und Kinn zu legen. Eine Geste der Hilflosigkeit, die in grellem Kontrast zu der aufkeimenden Verzweiflung in seinen trübe schimmernden, blauen Augen stand. Er hatte das Gefühl zu fallen.
Mit nahezu unerträglichem Schmerz in den Züge blickte die junge Amazone erneut auf zu ihrem Gegenüber. Unter einer Grimasse presste sie ihre Lippe aufeinander und schloss die Augen.

"Ich... ich kann dir keine... Antwort geben, die dich zufrieden stellen würde," presste sie vorsichtig und mit wankender Stimme zwischen ihren Lippen hervor. "Ich weiß nicht, vor welche Prüfung die Götter mich... uns... hier stellen und wieso all das geschehen ist."
Aruna schluckte und presste die Augenlider aufeinander. Tränen rannen ihre Wangen herab und fielen von ihrem Kinn.

"Ich wollte dich nicht damit belasten... natürlich hätte ich es dir früher oder später gesagt... aber... wir haben Aufgaben hier... Bestimmungen... Menschen, die ihre Leben in unsere Hände gelegt.." erneut zeichneten tiefe Falten die Stirn der Amazone und der Schmerz hinterließ tiefe Schatten über ihren Zügen.

"Ich habe das... nicht gewollt. Natürlich nicht. Ich wollte ihn nicht... Reto... ich wollte ihn nicht töten... müssen. Aber... aber als ich das Gift spürte, das auf seinem Dolch...". Sie schluckte und verstummte, stützte sich mit einer Hand auf den Boden und schüttelte wortlos den Kopf.

Ihre Blicke begegneten sich kurz, aber Wulfgar gelang es kaum der Verzweiflung in ihren tränengefüllten, dunklen Augen standzuhalten, bevor sein Antlitz abwenden musste und die Hand sinken ließ. Doch in seine Trauer, den Schmerz über den Anblick seiner gebrochenen Geliebten und längsten Freudin und seine eigene Machtlosigkeit mischte sich etwas anderes. Kalte, brutale Wut ... er ließ die Hand nicht einfach sinken, er ballte sie zur Faust und mit einem wütenden, markerschütternden Brüllen fegte er Pergamente, hölzerne Figuren und einen schweren Lederband vom Tisch in seinem Rücken, der mit einem dumpfen Geräusch eines trotzigen Aufschlages auch ein kleines Tintenfässchen und ein Bündel Federn mit sich in die Tiefe riss.

Er spürte den Schmerz, der durch das unnachgiebige Holz in seine weiß gewordenen Knöcheln drückte, aber vor dem Toben, dem Zerren in seinem Körper verblasste wie vereinzelte Wassertropfen auf vom Praiosauge erhitzem Pflaster. Seine Unterarme, seine Schultern, sein ganzer Körper bebte. Einige Augenblicke lang verharrrte er in dieser Haltung, abgesehen von dem diesem Zittern regungslos ... schweigend ... sein starrer, lodernder Blick bohrte sich in die feine verästelte Maserung der Tischplatte. Er schloss die Augen ... nur kurz, aber lange genug um den nebelhaften Schleier abzustreifen, der sich über seinen Blick herabgesenkt hatte.

Er verdrängte die Bilder, die in ihm aufstiegen ... von Momenten, die gewesen waren und jenen, die nie so stattgefunden hatten ... um die sie sich selbst gebracht, betrogen hatten ... die Nacht, die das Ende des Finstermannes aber auch den Ausbruch ihrer lange sorgsam weggesperrten Gefühle gesehen hatte ... ihren ersten sich kreuzenden Blick, in dem noch etwas anderes ausser ihrer bedingungslosen Freundschaft verborgen lag ... die Stunden, in denen sie sich auf zerwühlten Laken engumschlungen und herumalbernd unter dem durch das geöffnete Fenster herabscheinenden Praiosmal geräkelt und scherzhaft über Namen unterhalten hatten ... Arunberth, Kunigunde, Ulfhelm, Perainer ... er kämpfte mit den Tränen.

Unbesiegbar, unverwundbar hatten sie sich gefühlt ... war es real oder nur ein Abbild dessen, was ihnen jetzt so unvermittelt, so plötzlich genommen worden war? Er hatte keine Gelegenheit ... er schluckte und versuchte vergeblich den Kloß in seinem Hals wieder herabzuwürgen. Er fühlte, wie der Zorn seinen hässlichen Hals durch die enggesteckten Grenzen seiner Wahrnehmung reckte und die Wut erneut in ihm emporkochte. Auf Aruna, seine Gefährten, die sie nicht hatten beschützen können. Auf sich selbst, dass er seine Zeit hier in diesem Zelt mit den Spitzfindigkeiten oberflächlicher Adeliger und nicht bei ihr ... nicht an ihrer Seite verbracht hatte ... Auf die Götter ... tränenblind blinzelnd tastete er nach dem hölzernen Falken mit den ausgebreiteten Schwingen, der sich wie im Hohn seinem Wutanfall entzogen hatte und begrub ihn in seiner Faust. Und drückte zu. Bis sich die stumpfen Spitzen seiner Flügel in seine Handfläche bohrten.

Die niedergeschlagene, noch immer auf Knie gesunkene Amazone beobachtete den weidener Krieger mit feuchten, traurigen Augen. Mit zitternden Beinen erhob sich ihr geschundener Körper mühsam. Zögernd, langsam und vorsichtig machte sie einen schwankenden Schritt vorwärts und streckte behutsam die Hand nach seiner Schulter aus.

Als ihre Hand sich unversehens auf seine Schulter legte, zuckte der Hüne unwillkürlich zusammen. In jedem anderen Moment hätte er sich die Wärme ihrer Berührung herbeigesehnt ... aber nicht in diesem. Er fühlte sich erschreckend nackt, verletzlich und das obwohl ihm das bei Aruna unter normalen Umständen niemals unangenehm vorgekommen kam. Er wollte nicht, dass sie ihn so sah, ihm in die Augen blicken und von seiner eigenen Trauer und ziellosen Wut darin würde lesen können. Er wollte ihr der Fels in der Brandung sein, der er immer gewesen war, aber er fühlte wie ihn der Strom seiner Empfindungen trotz aller verzweifelten Bemühungen dagegen anzupaddeln, mitriss. Hätte er Anzeichen für das ungeborene Leben unter ihrem Herzen erkennen können, ja ... müssen?

Wieviele Entscheidungen hätte er umgekehrt und geändert, wenn die Zeit ihm die Möglichkeit dazu gegeben hätte? Spielte es noch eine Rolle? Er oder sie, ihr ungeborenes Kind trieb namenlos und vergessen in Satinavs Sog. Ein Zeichen der jungen Göttin, das sie für einander bestimmt waren, widerrufen in der Hitze eines Augenblicks. Aufgrund der Taten eines einzelnen Mannes und einer feige vergifteten Klinge ... die Berührung ihrer Hand wirkte so zart, gleichzeitig so ungeahnt kraftlos. Wenn er sie jetzt erwidern würde ... befürchtete er das Aruna zerspringen könnte. Diese Wut trieb ihre Wurzeln tief unter seine Haut und instinktiv wusste er, dass die Flammen seines Zornes, die in seinem Körper ihr hungriges Mahl hielten ihr keine Wärme spenden würden.

Er konnte ihre Hitze spüren und das Ziel, dass sie an verbrannten Armen ins Zentrum seines Bewusstseins hoben, fühlte die aus seiner Handfläche sickernde Glut, die den umklammerten Falken zu ertränken suchte. Ihm seine kümmerlichen Flügel abreißen und ihr geiferndes, reißzahnbewehrtes Maul in seinen Nacken schlagen wollte. Er entwand sich ihrem Griff und schleuderte die Holzfigur mit einem weiteren wuterfüllten Brüllen in eine entlegene Ecke des Zeltes. Seine ungesehenen Tränen verdampften sobald sie seine vom daruntertobenden Feuersturm glühende Haut berührten. Zumindest fühlte es sich so an.

Benommen stolperte er ein oder zwei Schritte gegen sich seinen Weisungen widersetzenden Beinen vorwärts und stützte sich wankend gegen den Stützbalken in der Zeltmitte, während er die freie Hand vor das Gesicht schlug. Seine Schultern zuckten unkontrolliert, als sich sein Schluchzen entgegen aller inneren Widerstände Bahn brach.
“Götterverdammt, Aruna!“ zwängte er zwischen zusammengepressten Zähnen hervor. Sein Blut tobte ohrenbetäubend durch seinen Schädel. Er tobte vor Wut und spürte dennoch wie schwach er sich fühlte, während er zerrissen zwischen unbändigem, entfesselten Zorn und lähmender Traurigkeit trieb wie ein abgebrochener Ast in den schäumenden Fluten des Pandlaril.

“Wovor hast du dich so sehr gefürchtet, dass du es mir nicht sagen konntest? Davor, dass ich alles, was zwischen uns wahr Lügen strafen und dich alleine lassen könnte?? Dass ich ausgerechnet in diesem Moment eine Seite an mir entdecken könnte, die mich in der ärgsten Schlacht von deiner Seite weichen ließe??“ Das Mal auf seiner Brust schien im Takt mit seinem Herzschlag zu pulsieren.

“Ja, im schlimmsten Fall hätte ich dich auf Graf Hagen gebunden und notfalls unter Zwang aus diesem verfluchten Landstrich geschleift! Einmal, nur ein einziges Mal wäre es nur um uns gegangen! Ohne die ganze, verfluchte Verantwortung, die wir niemals wollten! Niemals gesucht haben!! Einmal nur aus diesem ständigen Ringen, dem täglichen Kampf auszubrechen, in dem wir ständig nur darauf achten müssen nicht auf das falschen Wappen zu pissen!!“ Wulfgar kam ins Stocken, verschluckte die unausgesprochenen, tief in ihm gehegten Gedanken, die ihn begleiteten, seitdem sie begonnen hatten in Zweimühlen mit ihrem eigenen Blut und Schweiß etwas aufzubauen ... etwas, das er zuvor nicht gekannt hatte, ihn in schwachen Momenten noch immer einzuschüchtern vermochte und in den Guten die Hoffnung schürte, etwas bewirken zu können.

Mehr als ihnen alleine möglich wäre, wenn sie auf allen Schlachtfeldern Aventuriens kämpfen würden. Es war ... ungerecht. Sie gaben den Menschen in der Mark Hoffnung, etwas auf das sie vertrauten, es wagten hier neue Existenzen aufzubauen, sich niederzulassen, zu siedeln ... und wenn es nur in einem Zelt zwischen dem Talfer und dem Wehrheimer Tor war. Kinder ... zu bekommen. Ein nahezu übermächtiges Gefühl des Schwindels drohte Wulfgar zu überwältigen und er konnte hören, wie der Pfosten an den er sich stützte unter seiner Last ächzte.

“Bei den Göttern ... Aruna, haben wir nicht auch das Recht auf ein kleines ... unser eigenes Wunder?!“ Seine Stimme, die bislang anklagend in das Tosen seiner eigenen, jeglicher Ordnung entbehrenden Emotionen gebrüllt hatte, war bedeutend leiser geworden. Als würde er nach seinem Ausbruch kraftlos zusammensacken. “Ein Kind, unser Kind ... Aruna ... Sie ... haben es uns genommen ...“ Seine Schulter sank gegen den Pfeiler, während er Aruna das Gesicht halb zuwandte und ihren Blick suchte. Seine Augen schimmerten glasig, aber in ihnen loderten die Flammen seiner Wut.

Aruna rannen einzelne Tränen aus den Augenwinkeln.
"Ich... ich weiß es nicht, Wulfgar... vielleicht war ich dumm... vielleicht fürchte ich mich davor, dass alles irgendwie... dieser wunderbare Traum... mit einem Mal zuende... vielleicht hat die Herrin andere Pläne für mich... für uns..." Aruna verschluckte sich beinahe an den Worten, die ihre zitternde Stimme hervorbrachte.

"Vielleicht fürchte ich mich auch einfach nur davor...," doch die Worte blieben in ihrem Halse stecken und sie presste bitter die Lippen aufeinander, unfähig, das Ungesagte in die Welt hinaus zu tragen. Aruna blickte hilflos, schuldbewusst zu Boden.

Wulfgar sammelte das erschreckend Wenige an Kraft, dass ihm sein Körper in diesem Moment zuzugestehen vermochte und stemmte sich über die Schulter wieder empor. Dennoch konnte man es kaum als ein aufrichten bezeichnen. Seine Schultern waren eingesunken und seine Arme fühlten sich seltsam kraftlos an. Ausgelaugt und als hätte jemand sämtliche Kraft aus ihnen herausgequetscht. Er unternahm einen unsicheren Schritt in Arunas Richtung. Zu seiner Gefährtin, seiner Freundin ... seiner ... sein eigener, brodelnder Verstand verschluckte das Wort und eine ferne Stimme in ihm grollte: “Sie hat es dir verheimlicht. Die Gefahr auf sich genommen ohne dir deinen Anteil an dieser Entscheidung zuzugestehen.“

Seine Zahnreihen waren fast schmerzhaft aufeinandergepresst und es kostete ihn Mühe sie zu lösen. Seine Augen schimmerten feucht, aber seine Züge wirkten auf grässliche, ungerechte Art und Weise unerbittlich, hart und kühl. Er konnte es spüren, aber kein entwaffnendes, die Schärfe nehmendes Lächeln auf seine Lippen zwingen. Obwohl alles in ihm danach brüllte, danach verlangte. Aber er war nicht mehr Herr seines Körpers, nicht mehr Herr seiner Regungen oder gar Emotionen, die in ihm emporsprudelten.

“Wovor fürchtest du dich?“ zischte er. “Wovor könntest du dich mehr als vor diesem verfluchten Moment fürchten?? Diesem Moment, in dem ich beginne zu begreifen, dass wir unsere Tochter ...“ Seine Stimme bebte. “Unseren Sohn verloren haben??“ Für einen kurzen Moment spürte er die Kraft zurückkehren, fühlte wie sich seine Muskeln mit Zorn füllten und spannten. Nur ein, vielleicht zwei Schritt von Aruna entfernt, warf er sich vorwärts, packte mit beiden Pranken die Tischkante und warf ihn begleitet von dem furchtbaren Getöse, als die darauf noch verbliebenen Gegenstände ins Kullern gerieten und zu Boden stürzten, auf die Seite.

Der dumpfe, schwere Aufprall fuhr ihm bis ins Mark. Seine Muskeln brannten ob der unvermittelten Anstrengung, aber er spürte es kaum ... konnte nicht ... in ihm war nur Leere. Endlose, jegliche möglicherweise trostspendenden Gedanken verschluckende Leere. Ein gähnendes Loch ... etwas, dass die unvermittelte Nachricht vom Tod ihres Kindes, von dessen Existenz er bis vor kurzem noch nicht einmal etwas geahnt hatte, in seine Seele, den Schutzpanzer seiner sprichwörtlichen Unbekümmertheit gerissen hatte.

“Vielleicht hat die Göttin andere Pläne für dich ... für uns ...“ wiederholte er ihre Worte, begleitet von einem verächtlichen Schnauben. Der Kerzenschein warf düstere Schatten auf sein Aruna nur noch seitlich zugewandtes Antlitz. Seine Augen starrten ins Leere. Seine Worte bahnten sich nur mühsam ihren Weg über seine Lippen. Schleppten sich kraft- und klanglos ins Zeltinnere. “Und was ist mit unseren Plänen? Was ist dann mit uns, wenn die Götter uns dieses Geschenk, diesen Wink des Schicksals verwehren?“ Er schüttelte langsam den Kopf und schloss die Augen. “Du ... du solltest schlafen gehen ... du ... brauchst Ruhe.“ Er bückte sich nach seinem Tabakbeutel und der Pfeife, die zwischen Pergamenten, Karten und Holzfiguren auf dem Boden lagen.

Wulfgar suchte ihren Blick. Unsicher, unschlüssig, verletzt und erschüttert. In seinem Herzen brannte nur ein einziger Wunsch. Aruna zu trösten, sie in die Arme zu schließen und endlich zu hauchen, dass alles wieder gut werden würde. Auch er sehnte sich nach Trost, nach den richtigen Worten, den Gedanken, die ihn wieder ruppig auf den richtigen Pfad zurückrempelten ... aber es war zu früh. Die Wunde war zu frisch ... er wollte allein sein ... nachdenken.

“Ich ...“ setzte er an und seine Stimme versagte ihren Dienst. Beschämt griff er nach seinem Umhang und wankte zum Zelteingang. Nur ein paar Schritt noch, mahnte er seinen Körper. Dann kannst du mit mir machen, was du willst.

Westruh, Wildermark, in den ersten Tagen des Efferd 1033 BF

Zurückgeworfen vom eisenverstärkten Schaft fuhr die Klinge seines Zweihänders nieder, nutzte die Wucht, die sein Hieb, der die Deckung des Söldners hinter dessen Hellebarde ausgehebelt hatte, in seinem schweren Rauschen entfaltete. Blut spritzte, als er die stählerne Brustplatte zertrümmerte und das schreiend bunte Gewand, dass der Söldling darunter trug, wie altes, brüchiges Pergament zerschnitt. Sein Brüllen erfüllte den Helm, dessen Sichtschlitze sich im Wissen darum, dass der Söldling sich von der beigebrachten Verletzung nicht mehr erholen würde vom schmerzverzerrten Antlitz des jungen Mannes abwendeten und sich in berechnender Kälte auf die junge Frau mit dem Federbarett richteten, die mit jetzt nur noch halb so entschlossener Miene das Kurzschwert umklammerte, als sie ihren Gefährten jämmerlich schreiend fallen sah. Mit einem Halbschritt versuchte sie die Reichweite seines Zweihänders zunichte zu machen und ihm die Klinge in den Leib zu stoßen.

Gleichgültig ließ es Wulfgar drauf ankommen und ihren Angriff passieren, während er selbst den nach dem Hieb gegen ihren Kumpanen über den Kopf emporgerissenen Zweihänder auf sie herabschnellen ließ. Er spürte den Stich kaum, der wohlgezielt an den Plattenstücken seiner Rüstung vorbei, die wattierte Unterkleidung durchdrang und ihm einen schmalen Schnitt zufügte. Sein Zweihänder hingegen grub sich mit ungebremster Wucht in den kaum von der Brustplatte beschirmten Bereich zwischen Hals und Nacken. Erst als die Klinge sich zwischen Schlüsselbein und dem hoffnungslos verbogenen Stahl der schützenden Brünne verkeilte, drückte er den schweren Stahl über den Griff wieder leicht empor, schob sich in seiner matten Rüstung einem unaufhaltsamen Ungetüm aus Stahl und Blut vorwärts und zwang ihren erschlaffenden Leib mit einem mitleidlosen, heftigen Tritt in den Staub, während er den Bidenhänder aus der klaffenden Wunde schälte. Ihr Schrei erstickte in einem Gurgeln. Seine Schläfen pochten. Von rechts stürmte ein Landsknecht heran, die Infanteriewaffe zu einem kräftigen Stoß auf Brusthöhe gereckt. Ein dumpfes, schnalzendes Pochen brachte seinen Angreifer spürbar aus dem Tritt, während sich sein Gesichtsausdruck von zornerfüllter Überzeugung zu überraschtem Entsetzen wandelte. Er verlangsamte unkontrolliert, taumelte, machte noch ein, zwei Schritte und sank dann auf die Knie. Ein Bolzen ragte aus seiner Schläfe.

Unwirsch rempelte Wulfgar den vorsackenden Körper mit seiner plattenbewehrten Schulter beiseite. Vor ihm schloßen vier, mit unsicher zuckenden Augen die nahen Gebüsche entlang der Böschung absuchende Söldner die ausgedünnte Formation vor einem Schemen, der beide Hände ausbreitete. „Aufhören! Haltet ein!!“ gellte der Ruf eines Mannes durch die Senke. „Ich gebe Euch wonach es Euch verlangt! Gold, Geschmeide! Nehmt auch unsere Waffen, wenn es Euch von unserer friedlichen Absicht überzeugt.“ Wulfgars Schritt wurde keineswegs langsamer, allerdings hob er den gepanzerten Arm und bedeutete den Uhdenbergern in seinem Rücken das Feuer einzustellen. „Tretet beiseite, wenn Euch Euer Leben lieb ist.“ Knurrte er mit donnernder, blechern verzerrter Stimme über das Stöhnen und Ächzen der Verletzten hinweg den Söldnern zu. „Legt die Waffen nieder und ihr werdet verschont!“ blaffte er, noch während sie eine Gasse zu der Gestalt öffneten, die sich im Rücken ihrer Formation verbarg. Das mehrstimmige Klirren aufeinanderprallender und abgeworfener Waffen quittierte, dass sie seiner Aufforderung Folge leisteten. Er selbst öffnete den Riemen unter seinem Visierhelm und hob die geschlossene Faust. „Sichert die Waffen und nehmt sie in Gewahrsam.“ Ins Gesicht des vielleicht 40 Sommer zählenden, dunkelhaarigen Mannes, der jetzt kaum noch fünf Schritt von ihm entfernt war, stieg die Zornesröte.

„Wer seid Ihr, dass Ihr Euch erdreistet …“ Wulfgar gab ihm keine Gelegenheit seinen Satz zu vollenden. Er streifte nur den Helm ab und ließ ihn achtlos ins blutige Gras fallen. „I … Ihr …“ stieß der Mann zwischen zusammengepressten Zähnen hervor, während die Farbe wieder aus seinem Antlitz wich. “Gisbert Gilborn von Talf, vom heutigen Tage an geltet Ihr für euer verdammungswürdiges Bündnis mit den Schergen des falschen Kaisers, kraft der mir verliehenen Legitimation als Vogt Zweimühlens, als Verräter und Bedrohung für das Heil der mir anvertrauten Seelen …“ Er ließ die Worte wirken, stapfte aber weiter unumwunden und ohne Umwege auf den in teure Gewänder gehüllten einstigen Vogt Talfs zu, der zunehmend und mit langsam von ehrlicher Furcht durchtränktem Blick vor ihm zurückwich. Sich allerdings ob der sich aus den Gebüschen über der Senke schälenden Bewaffneten wohl darauf besann, dass an Flucht nicht zu denken war. Sein in quälender Langsamkeit vollzogener Versuch sich Wulfgars Zugriff zu entziehen, endete jäh, als die Hand des Weidener Kriegers vorschnellte, den einstigen Landadeligen am Kragen packte und ihn in den Staub des nur dürftig ausgetretenen Pfades zu ihren Füßen schleuderte.

Wulfgars Gesicht war eine furchtbare Maske des Schmerzes und unaussprechlichen Hasses, auch wenn dieser mehr der unmöglich zu ergreifenden Gelegenheit galt, die er hatte verrinnen lassen müssen, als ihm der goldene Falke so unaussprechlich nah gekommen war. Am Lagerfeuer … nur wenige Meilen vom Heereslager des Falkenbundes entfernt … Seine Zähne knirschten. Die Nacht, in der er Paske das Richtige hatte tun lassen. Für die Wildermark. „Ihr habt bereits einmal Zweimühlen verraten, als Ihr dem Ruf Eurer Baronin Svanja Ragnasdottir nicht in die Schlacht auf dem Mythraelsfeld gefolgt seid. Euer Exil hat Euch keinesfalls Demut gelehrt … nein, ganz im Gegenteil! Ihr verbündet Euch mit einem Feind, der offen gegen den hier geschaffenen Bund zu Felde gezogen ist.“ Wulfgars Stimme war eisig, aber sein ganzer Körper bebte vor Wut. Gisbert Gilborn kroch rückwärts. „Ihr … Ich … Lasst mich doch erklären! Ich verlange einen gerechten Prozess!“ Das schiefe, fürchterliche Lächeln, das Wulfgar auf seinen Zügen spüren konnte, ließ ihm selbst das Blut in den Adern gefrieren. „In der Wildermark gilt das Faustrecht und mit Eurem wiederholten Verrat habt ihr jegliches Anrecht auf einen …“ Er spuckte das Wort förmlich aus. „ …Prozess verwirkt.“

Gisbert hob beschwichtigend die Hände. „Herr Nordfalk, ich bitte Euch … ich kannte Euren Vater! Er war ein großer, gerechter Mann.“ Wulfgar öffnete einen der Beutel an seinem Waffengurt und zog etwas daraus hervor, dass er dem Flehenden zuwarf. Einen kleinen blutverkrusteten, hölzernen Falken. „Aber mich …“ zischte Wulfgar. „Mich kennt ihr nicht.“
Session: Der Zug der Fürstin - Garadan - Monday, Aug 07 2017 from 11:00 AM to 2:00 PM
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Epic!
Regenwolken
Heerlager des Talfer Bundes, Wildermark, in den letzten Tagen der Rondra 1033 BF

Wulfgar gähnte herzhaft und ohne sich die Mühe zu machen, um seine offensichtliche Erschöpfung hinter vorgehaltener Hand zu verbergen. Er hatte den Drang lange genug in den erschöpfenden Gesprächen und Diskussionen mit ihren Verbündeten niederkämpfen müssen, um sich jetzt nicht diesen kleinen Ausdruck seiner schlechten Kinderstube, noch dazu demonstrativ vor seinem Onkel, zu erlauben. Er erwartete förmlich eine Schelte von Willbrecht Helmisch, aber augenscheinlich kämpfte sein hochgewachsener, massiver Onkel selbst mit einer durchdringenden Müdigkeit, die ihn sich nur mühsam von der grob gezimmerten Bank erheben ließ. „Ein langer Tag …“ grunzte sein Onkel missmutig. „Nun, sagt nicht dass ihr anderes erwartet hättet, Ohm.“ schmunzelte der schmutzigblonde Weidener und strich sich mit Belustigung durch den ungleich dunkleren Bart, der nach den vergangenen Tagen der Ruhelosigkeit wieder der Sorgfalt eines zurechtstutzenden Messers bedurfte. Die Müdigkeit bemächtigte sich selbst des Lächelns seines Onkels, das sich fast beiläufig auf seine faltigen Züge stahl. „Nun, zumindest hast du deine Unterstützung. Versorgung und Entsatz vor Talf sind für die Monde bis zum Wintereinbruch gesichert.“ Wulfgar streckte sich, reckte die schmerzenden Glieder und schmunzelte schelmisch. „Dann hat sich das Sitzfleisch doch ein weiteres Mal bewiesen. Auch wenn Geduld und stundenlange Diskussionen wohl eher weniger zu den Qualitäten des stolzen Weideners gehören …“ Sein Onkel brummte grollend und überging den kleinen Seitenhieb, den Wulfgar in einer gewissen Ironie auch gegen sich selbst gerichtet hatte. „Ab einem gewissen Alter sollte man den gestandenen Recken aus dem Norden in ein kleines hübsches Zimmer mit Blick auf den Markt sperren und ihn die wie Raben stehlenden Straßenkinder zeternd und mit erhobener Faust vertreiben lassen. Ich dachte aber, dass es Euch auch durchaus gefallen könnte, diesem hier an dieser Tafel nachzukommen. Nur dass die Straßenkinder in diesem Fall selbstgefällige Fürstenthronanwärter, Barone und eingeschüchterte Vögte waren.“

„Überspann den Bogen nicht, Wulfgar.“ Rumpelte Willbrecht, in tief brummendes Gelächter gehüllt. „Natürlich würde ich wie zu jeder Zeit lieber Orkschädel spalten …“-„Oder an den Äpfel aus Valnas Küche naschen …“ fiel dem weißhaarigen Weidener sein Neffe ins Wort. „Wobei, vermutlich eher an den prallen Melonen …“ Willbrechts Gelächter rollte wie der ferne Donner des Gewitters, der sich über der Ebene und im Osten zu unheilvoll auftürmenden Wolkenbergen zusammenzog, durch das Zeltinnere. „Nun ist aber genug, du Schandmaul. Halt die Backen oder ich beraube dich jeglicher Autorität, wenn ich dich vor dem Zelt über’s Knie lege und mal wieder ordentlich vertrimme.“ Wulfgar hob beschwichtigend die Hände und verzog die Lippen zu einem süffisanten spitzbübischen Grinsen. „Verurteilt nicht den Boten, Ohm. Der verlässlichste Zeuge sind Eure eigenen hungrigen Blicke. Wer könnte solch reizvoll gefüllten Obstkorb auch verschmähen?“ Trotz weiterhin unverändert gemessenen Schrittes, mit dem sich Wulfgar auf den Tisch und die darauf angerichtete Schale mit Äpfeln und Birnen zuhielt, beeilte er sich das große, wuchtige und mit Karten bedeckte Hindernis zwischen sich und seinen Onkel zu bringen. Willbrecht Helmisch war gewiss kein Mann leerer Drohungen und noch weniger einer, der sich von seinem neunmalklugen Neffen auf der Nase herumtanzen ließ. Zumindest nicht immer. Das schüchterne, klassischer Weidener Minne entlehnte Geturtel zwischen Valna Arwulf und dem alten Recken diente ihm immer mal wieder als geeigneter Aufhänger, um seinen Onkel aus der Reserve zu locken und seine altersbedingte Ungeduld und sein Handeln durchdringende Müdigkeit zumindest zeitweise aufzulösen. Einer der Gründe, warum Wulfgar auch darüber nachdachte, ihn als Statthalter Zweimühlens in seiner Abwesenheit abzulösen. Während sein Bruder Avon gegen die Orks und dämonisches Gezücht ins Felde zog, übertrug er wie schon all die Jahre zuvor die Verwaltung des Lehens von Moosgrund an Willbrecht, der sich dieser zuweilen recht undankbaren und wenig abwechslungsreichen Aufgabe ohne Murren annahm. Doch als Avon vom Schwertzug nach Warunk nicht zurückgekehrt war und seinen Bruder mit Ardariel und Wulfgar alleine zurückgelassen hatte, hatte er sich verflucht, dass er nicht an seiner Seite gestanden sondern sich im beschaulichen Weiler am Pandlaril den Arsch breitgesessen hatte.

Wulfgar wollte es ihm nicht zumuten noch einmal in eine vergleichbare Situation zu geraten, wenn er und seine Gefährten in der Wildermark gegen die Feinde des Reiches ritten und ihn im Unklaren über Pergamenten brütend in die Schreibstube und den Pallas verbannten. Auch wenn ihn der Gedanke schmerzte, hatte Wulfgar über die Jahre hinweg zu erkennen gelernt, dass Willbrecht keinesfalls stille Vorwürfe an den Geist seines gefallenen Bruders in seinem Herzen trug, sondern vielmehr selbst den für die meisten, die keiner kriegerischen Profession nachgingen, absonderlichen Wunsch hegte, einst sein Leben für etwas Größeres zu opfern als dem Lauf der Dinge folgend schließlich dem friedlichen Schlaf des stummen Herrn den Vorzug zu geben. Und je älter er wurde, umso ferner glaubte er sich der Hoffnung noch einen würdigen Rahmen für einen letzten Dienst an Rondra finden zu können. Andererseits rang dieser altertümliche Antrieb in Willbrecht mit dem Umstand, dass sich der im Alter ergraute Ritter keinesfalls vom Wunsch beseelt einen heldenhaften Tod zu finden kopflos in gefährliche Situationen stürzte, sondern er es vielmehr weiterhin als seine vorrangige Aufgabe erachtete seine Nichte und seinen Neffen nach Kräften zu unterstützen. Und das Wissen weiterzugeben, dass er im Lauf der Jahre über Adelspolitik, Verwaltung und die Kunst der mittelreichischen Diplomatie angehäuft hatte.

Wissen von unschätzbarem Wert für Wulfgar, der im Gegensatz zu Ardariel mehr Zeit mit den als klassisch erachteten Waffengattungen auf dem Übungshof der Akademie von Baliho als zum Unterricht in der Schreibstube der Moosgrunder Burg verbracht hatte. Seine Schwester war von den Göttern durch das Recht der Erstgeborenen für die Fortführung des Lehens und das Tragen des Titels ausersehen worden, ihm legten sie den Griff des Schwertes selbst in die Hände und bestimmten, dass er allein entscheiden möge, wohin er dessen Klinge richtet und mit welcher Überzeugung im Herzen er in die unausweichlichen Schlachten schreitet. Eine vage Bestimmung, mehr ein freundschaftlicher Schubser, während der Vater seinem eingeschüchterten und verunsicherten Sohn ein „Mach was draus.“ über die Schulter ins Ohr raunt. Aber auch die Freiheit sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Nur fehlte ihm dadurch, gerade zu Beginn ihrer Zeit in Zweimühlen, der Zugang zu den einfachsten Prinzipien und Grundlagen der Verwaltung und Herrschaft. „Das Richtige“ lag nicht immer in der Schnittmenge seines eigenen, von Avon geprägten Gerechtigkeitssinnes und dem was das Schollen- und Adelsrecht vorsah und der Begriff erwies sich als äußerst dehnbar gerade an einem Ort wie der Wildermark. Ohne Willbrecht und die Bücher, die ihm Corellian nach seinem Tode vermacht hatte, hätte er es vermutlich niemals geschafft, dass tatsächlich Recht und Ordnung in Zweimühlen Einzug gehalten hatten. Wackelig zwar und bisweilen geleitet von seinem eigenen Bauchgefühl, aber immerhin.

Wulfgar nahm den locker geschnürten Beutel und seine Pfeife von dem eher beiläufig und schludrig zusammengefalteten Wappenrock, den er auf einen der um den zentralen Tisch verteilten Hocker verbannt hatte und fischte etwas von dem bereits im Lauf der vergangenen Tagen an Menge erheblich zusammengeschrumpften Krauts aus den Tiefen des abgegriffenen Leders. Sein Ohm hatte Wulfgars letzte schnippische Bemerkung einfach übergangen und nippte an seinem Wasserschlauch, während er langsam zum Zelteingang schlurfte und einen Blick nach draußen warf. Es war dunkler geworden und ein noch sehr verhalten an der Zeltplane zupfender Wind kündigte Regen oder zumindest ein Unwetter an. In der vorabendlichen Hitze hielt sich die Betriebsamkeit und Hektik innerhalb des Lagers in Grenzen. Die Soldaten und Mitglieder des begleitenden Trosses zogen es vor, wenn ihnen keine unmittelbar zu erledigenden Aufgaben zugeteilt waren, im Schatten der von den Zelten abgespannten Tücher bis zum Absinken und Verschwinden von Praios‘ sengendem Auge auszuharren und nach Möglichkeit Kräfte zu sparen. Sein Neffe folgte ihm und lehnte sich gegen eine der Zeltstangen im Eingang, während er das feine Kraut in den Pfeifenkopf stopfte. Die Stirn unter den langen, blonden, im Moment zu einem kräftigen Zopf in seinem Nacken gebändigten Haaren zerfurcht von Sorgenfalten, nahm der junge Mann die dunklen Wolkenberge in Augenschein, die sich über dem Osten zu grotesken, hoch aufragenden Formen auftürmten. „Es bedarf keiner Hexe, um uns zu verraten, dass es regnen wird … und das vermutlich nicht zu knapp.“ knurrte Willbrecht trocken. „Dem Boden wird es gut tun … wenn es lange genug regnet, dass er das Wasser auch aufnehmen kann.“ bemerkte Wulfgar, bezweifelte aber, dass der rissige, von der Hitze ausgedörrte und festgetretene Staub im Lager überhaupt etwas davon aufnehmen würde. Stattdessen würden sich die Pfade zwischen den Zelten vermutlich bis zum Mittag in eine einzige große und unwegsame Schlammpfütze verwandeln. „Sofern nicht bereits geschehen, gebt bitte nachher die Order aus, dass jeder im Lager seine Strohmatratzen und Schlaflager aufbocken soll. Gleiches gilt für Kleidung, Waffen und Rüstzeug.“ Sein Ohm nickte, ein süffisantes Schmunzeln konnte er sich jedoch nicht verkneifen. „Dann war es doch nicht ganz umsonst, dass dich die Heldentrutzer an den vorlauten Ohren durch die Wildnis am Rand der Schildlande geschleift haben.“ Ein schiefes Grinsen schlich sich über Wulfgars Mundwinkel, gefror aber schnell wieder zu einer Maske der Besorgnis, die sich schon zuvor über seine Züge gelegt und einen düsteren Schatten über seine Miene geworfen hatte.

Etwas, das Willbrecht Helmisch keineswegs entging. „Aber der Regen ist deine geringste Sorge, hab ich recht?“ Wulfgar nickte langsam, fast schwerfällig und seine Augen wanderten in Richtung der Reichsstraße, die sich in der Ferne wenige Meilen vor Talf das sanft ansteigende Hügelland emporwand und gen Gallys führte. „Aruna und die Anderen jagen einen unbestimmten und von Answin beschworenen Zweifel … wer sagt uns, dass von Rabenmund sie nicht wissentlich auf eine falsche Fährte und in die Höhle des Drachen gelockt hat, um die Stärkung unserer Position nach dem Sieg gegen den Falkenbund gleich wieder einzudämmen?“ – „Der Glaube daran, dass auch Answin in diesem Zweckbündnis zumindest für den Moment einen notwendigen Verbündeten gegen Ucurian gefunden hat? Daran, dass er einen Gesichtsverlust vor dem Haus Bregelsaum ebenso fürchtet wie die Unberechenbarkeit eines Weidener Vogts, der ihm schon beim ersten Aufeinandertreffen bewiesen hat, dass er vor einer Demonstration der Macht nicht einfach einknickt?“ Wulfgar blieb ihm eine Erwiderung schuldig und zündete die Pfeife an. Mit einem tiefen, erschöpft klingenden Seufzen ließ er den Rauch durch seinen Mund und die Nasenlöcher entweichen. „Jene, die schon Umgang mit euch pflegten und euch begegnet sind, sehen in euch längst nicht mehr die jugendlichen Emporkömmlinge und Nichtdarpatier. Sie sehen und bewerten das, was ihr in diesen zwei Götterläufen alles erreicht habt. Ob sie es wollen oder nicht, ihr werdet in den Jahren, die da kommen, eine wichtige Rolle bei der Befriedung der Wildermark einnehmen. Und jetzt da der Nordmarken-Konflikt beigelegt ist, wird sich auch Kaiserin Rohaja selbst diesem Schandfleck neben dem Herzen des Reichs annehmen. Vielleicht nicht sofort, aber in absehbarer Zeit.“
Wulfgar brach sein Schweigen mit langsamer, schleppender Stimme. „Wir … haben das nie gewollt. Sind hier geradezu hereingestolpert. Der Finstermann, die Blutkerbe und jetzt das unvermittelte Auftauchen einer Fürstin, das alles, was wir hier auf die Beine gestellt haben, ins Wanken bringt. Mir schlug zugegeben das Herz bis zum Hals, als der Bote vom Auftauchen des Heereszuges vor Talf berichtete. Und davon, dass ihr ihm in vorderster Front begegnet. Das war kein simples Säbelrasseln, der Falkenbund war bereit Blut zu vergießen, wenn ihr seinen Forderungen nicht Folge leisten würdet.“ Er bedachte seinen Onkel mit einem eindringlichen Blick. Seine blauen Augen sprühten vor Zorn, auch wenn sein Gesicht auf bedrohliche Art und Weise regungslos in seiner Ernsthaftigkeit erstarrt blieb. „Es geht ihnen immer noch nur um die Macht … nur um die Titel … die verfluchten Ländereien. Die Schlacht auf dem Mythraelsfeld hat so viele Streiter, jegliche Ordnung und Wehrheim in den Flammen vertilgt und alles, wonach ihre Erben streben, sind die Reste des gleichen schon längst verbrannten Kuchens. Und wer hält für seine Ränkespiele den Schädel hin? Esra, Paske, Aruna und Eldrinn … nicht Answin sind dem Falkenbund nachgeritten. Er hat lediglich die Saat des Zweifels gestreut und darauf gesetzt, wie viel uns an der zeitweisen Stabilität und dem Frieden in der Mark gelegen ist. Im schlimmsten Fall stehen sie im Regen, während ein von Rabenmund bei einem Glas Wein im Trockenen sitzt und einen möglichen Erfolg gegen einen Anderen tauscht, wenn wir dadurch geschwächt werden oder unser guter Leumund Schäden davonträgt.“ Willbrecht nickte langsam und er musterte seinen Neffen lange schweigend, während dieser mit verschränkten Armen an seiner Pfeife schmauchte. Wulfgars Kiefer mahlten unentwegt und er kaute, den Blick in die Ferne gerichtet, unruhig auf dem hölzernen Mundstück herum.

„Du machst dir Sorgen um sie.“ Willbrecht warf seine Vermutung in die auffrischende Brise, welche an den vor dem Zelt gestellten Banner nach der langen Windstille fast liebevoll zupfte, als wolle sie die darauf eingestickten heraldischen Figuren zum Tanz auffordern. „Sie sind meine Freunde. Im Osten jenseits von Talf gibt es nicht viele, die sich mit unserer Freundschaft brüsten und sie folgen einem Feind, den wir alle noch kaum einschätzen können. Sollte die Täuschung jedoch auffliegen, droht Ucurian nicht nur der Gesichtsverlust … auch viele seiner Verbündeten werden sich von ihm abwenden. Und vielleicht auch von seiner richtigen Tochter und deren Ansprüchen, auf die er so pocht. Wenn ihm das wirklich so viel bedeutet, weiß ich nicht, wie weit dieser Mann zu gehen bereit ist, wenn er derer habhaft wird, die drohen der Wahrheit gefährlich nahe zu kommen oder diese gar aufzudecken.“ Er spürte wie sich die Hand seines Ohms auf seine Schulter legte. „Ganz gleich, was Answin damit zu erreichen glaubt, deine Freunde haben sich aus freien Stücken entschieden zu gehen. Sie können und werden diese Entscheidungen selbst treffen. Lade dir nicht noch mehr Verantwortung auf, indem du dich mit der Sorge um ihr Wohlergehen umtreibst. Du weißt, dass sie gut auf sich selbst aufpassen können.“ Der alte Ritter stieß Wulfgar aufmunternd den Ellbogen in die Rippen und er zwinkerte verschmitzt. „Du hast dir da ein verrücktes Weibsbild angelacht, Neffe. Eine mit Schneid, fürwahr. Mit ihrer Rede vor den Talfern hat sie sich meinen Respekt erworben und sie wird ganz sicher nicht auf den Moment verzichten wollen, indem du ihr diesen Umstand eröffnest?“

Alter Narr, dachte Wulfgar in einem Anflug von Erheiterung. Nur der Respekt der Donnerin selbst galt für seine Löwin, für niemand anderen würde sie auch nur einen Finger rühren, um sich dessen Respekt zu erarbeiten. Alle Taten stehen für sich. Alle Wege führen zurück zu dem einen Punkt, an dem sich der Krieger, ein Kämpfer immer selbst messen lassen muss. In seinem Herzen. Er hob den Blick zum Himmel. Zu den dunklen Wolken, die jetzt begleitet von einem leise einsetzenden Prasseln die Regentropfen, den sie in ihrer Schwärze trugen, zögerlich in den Wind streuten. Wulfgar erinnerte sich daran, wie er sie schweren Herzens hatte ziehen lassen. Gerade und insbesondere Aruna, die von Anfang an Paskes Tatendrang in dieser Angelegenheit kaum zu teilen schien und sich nur durch Esras Einwirken dazu erweichen ließ ihnen für eine Art schlimmstmöglichen Ausgang Schwert und Schild in diesem Plan zu sein und sie letztlich doch zu begleiten. Behüte sie, Herrin von Donner und Sturm, murmelte die Stimme in seinem Schädel nachdenklich. Das hier ist kein Schlachtfeld mit dem sie vertraut sind. Es ist ein Sumpf des Verrats und der Lügen. Beschütze sie alle vier. Und bring sie zurück nach Zweimühlen. Ganz gleich, was auch passiert, es wird nur ein bitterer Vorgeschmack dessen sein, was uns alle hier in den kommenden Götterläufen noch erwarten wird. Er ballte die Hände zu Fäusten und das Leder seiner Handschuhe knarrte. In seiner inneren Unruhe, der Ungewissheit, zählte Geduld noch weniger zu seinen Stärken. Donner grollte über der weitläufigen, von sanft ansteigenden Hügeln übersäten Ebene. So sehr ihn diese Erkenntnis auch schmerzte … es lag nicht in seiner Hand. Mit unbewegter Miene verfolgte er, wie sich das Treiben zwischen den Zelten unter Murren und Klagen, aber auch nicht selten begleitet von Gelächter unter die aufgespannten Zeltplanen verlagerte, über die Abspannleinen zum Trocken geworfene Wäsche eilig abgezogen und ins Zeltinnere verfrachtet wurde und die wenigen Wachhabenden jetzt mit übergeworfenen Teermänteln über die nur langsam aufweichenden Wege stapften. Alles, was sie jetzt tun konnten, war warten. Er hasste warten. Aber noch mehr hasste er die Ungewissheit ...

Session: Der Zug der Fürstin - Die Windkönigin - Monday, Jul 10 2017 from 11:00 AM to 2:00 PM
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Der Talfer Bund
Der ungleichmäßige Tritt seiner Stiefel durch das inzwischen niedergetretene, sich aber Nacht für Nacht trotzig erneut erhebende Gras, ließ die Platten seiner Rüstung klappern und die gespannten Lederriemen knarren, als würden sie ihren Verdruss über die frühmorgendliche Bewegung zum Ausdruck bringen. Auf der Baernfarn-Ebene, die sich von hier nördlich bis zu den Ausläufern der Wutzenmark spannte und sich im Osten bis nach Gallys spannte, glitzerte der morgendliche Tau, der die in sattem Grün leuchtenden Halme benetzte, im Licht der sich besonnen erhebenden Praiosscheibe. Würde nicht die erwachende Geschäftigkeit des erwachenden und nur einen Steinwurf entfernten Talf zu ihm herüberschwappen und sich mit dem murmelnden Stimmengewirr, dem Klirren von Ketten und Waffen, kurz dem aufkommenden Lagerlärm, vermengen, hätte er die Aussicht wohl genossen. Es hätte ihn an seine Zeit nahe der Grünen Ebene und nördlich von Donnerbach erinnert, als er noch ein junger Grenzreiter gewesen war. Eine gefühlte Ewigkeit war das jetzt her. Im Moment konnte er nur durch die Gassen zwischen den wie willkürlich aus dem fruchtbaren Boden gesprossenen Zelten und Feuerstellen sowie der notdürftigen Palisade aus angespitzten, schräg in den Boden gerammten Holzstämmen erahnen, wie sich das hügelige Weideland mit den vereinzelten Imkerhöfen dahinter ausbreitete. Aber er war in seinem langen Leben weit genug gereist, als dass seine Vorstellung die dadurch bedingten Lücken wie von selbst auffüllte. Jenseits der grasenden, an Pflöcke gebundenen Pferde und der Schlange zu dieser frühen Stunde nur hinlänglich bewaffneter Männer und Frauen, die sich am Zelt bei der Essensausgabe versammelten oder keuchend schwere Bottiche mit frischem Wasser zwischen den Zelten herumtrugen, während sie andere, die ihre Wäsche zwischen den Zeltstangen aufhingen, spöttelnd anfeuerten, ruhte zusammengerollt wie ein Hund, der noch in der wärmenden Nähe des Kamins selig schlummerte, der neue Tag und damit auch seine neuen Prüfungen und Herausforderungen, welche die Zwölfe für sie ausersehen hatten. Verborgen im Dunst, dem gemächlich aufsteigenden Morgennebel.

Für einen Augenblick glitt sein Geist zurück zu längst vergangenen Tagen. Mehr als zwanzig Jahre war es jetzt her, seitdem er zum letzten Mal ein Heereslager durchschritten hatte. Natürlich war das kein Vergleich zu den mehreren Dutzend Zelten, die kaum Kampf- oder Marscherfahrene hier in lockerer Ordnung hinter der zusätzlichen und eilig ins Erdreich gestemmten Palisadenreihe hochgezogen hatten … damals waren es fast 15000 Soldaten aus allen Teilen des Mittelreiches gewesen, alleine über tausend Reiter und Dutzende von Rittern und Rondrianern mitsamt Gefolge. Es war das größte Heer und auch die größte Schlacht gewesen, die er jemals in seinem Leben gesehen hatte. Er zog damals unter dem Banner Rondreds Donnerklinge von Salzsteige, der viele Jahre später der Schwertvater seiner geliebten Nichte Ardariel werden sollte, und es war sein letzter, großer Ritt im Schatten des Bären. Graf Helme Haffax und König Brin von Gareth hatten damals die Truppen in die verzweifelte letzte Schlacht gegen die Schwarzpelze auf den Silkwiesen geführt und das ganze Mittelreich war ihrem Ruf gefolgt. Das Lager glich in seiner Hektik und dem Gedränge auf den sorgsam, aber wie mit einem aufgrund der gebotenen Eile von zittriger Hand geführten Lineal gezogenen Zeltgassen einer ganzen, waffenstarrenden Stadt und war erfüllt von der Aufregung, dem Gefühl der Bedrohung durch die dumpfen, hohlen Trommelschläge der nur wenige Meilen entfernt lagernden Orks und zugleich einer fast greifbaren Hoffnung, die durch die Anwesenheit legendärer und schlachterfahrener Helden geschürt wurde. Das Fahnenmeer in dem die größtenteils schlicht und einfarbig gehaltenen Großzelte ertranken, war unbeschreiblich. Banner, Wimpel und Wappen aus allen Teilen des Reiches. Bär und Wolf Seite an Seite mit Greifen, Löwen und Füchsen sowie unzähligen Spielarten fantasievollerer Wappentiere. Er bekam noch heute eine Gänsehaut, wenn er sich daran erinnerte, wie sich die schwere Reiterei mit donnerndem Hufschlag über die Hügelkuppe auf das Schlachtfeld ergoss und den Blick auf die wogende Flut der Schwarzpelze, deren vereinzelt aus der Masse aufragenden Oger und ihre eigene, krude Reiterei freigab. Willbrecht selber auf Graf Siegward, gedrängt zwischen die mächtigen Streitrösser der Weidener und Tobrischen Ritterschaft, die flankiert vom IV. Kaiserlich und Königlichen Garetischen Garderegiment und dem Garderegiment Raul von Gareth, die mit angelegten, blitzenden Lanzen direkt auf die dichtgedrängten Reihen der Orks und damit den Wall aus kruden Speeren, wild gezackten Schwertern und Äxten zusprengten.

Damals war alles noch so einfach gewesen, zumindest gefühlt. Die Orks, wenngleich auch von fürchterlicher und feiger Gerissenheit und brutaler Entschlossenheit getrieben, auf der einen und sie, die letzte Verteidigungslinie des Mittelreiches vor den Toren Gareths auf der anderen Seite. Er fuhr sich mit der behandschuhten Hand durch den vollen, weißen Bart und nickte, während ein Lächeln seine Lippen umspielte, einer jungen Soldatin zu, die gerade einen ausgemergelten, streunenden Hund mit Kochlöffel und Topf von dem krude getürmten Stapel von Schüssel und den daran klebenden Essensresten verscheuchte. Sie stammelte ein bemühtes „Gu … guten Morgen, Herr von … Moosgrund!“ und errötete in Verlegenheit, als sie sich der Tatsache gewahr wurde, dass sich Löffel und Topf beim Versuch zu salutieren durchaus als hinderlich erweisen könnten. Mit einem gütigen Schmunzeln, dass seinen faltigen und aufgrund der im letzten Moment zersprengten Schlacht mit dem Falkenbund ruhelos wirkenden Zügen etwas von der Spitzbübigkeit verlieh, die er so oft auch aus dem Gesicht seines Neffen zu lesen vermochte, befreite er sie von der Sorge sich ungebührlich zu verhalten. Er war nie der Schleifer gewesen, den sich Avon vielleicht manchmal als Vormund für seine Kinder gewünscht hatte … möglicherweise war es aber auch genau diese ruhige, beharrliche Weidener Art gewesen, von der sein Bruder sich erhofft hatte, dass zumindest Teile davon auch auf den jungen Wulfgar und seine ältere Schwester Ardariel übergreifen würden. Rondred Donnerklinge hatte sie mit dem Holzschwert durch den Burghof gejagt und sie alles über den ehrbaren Kampf mit der Waffe des Adels gelehrt, was ihre Körper damals zu stemmen vermochten. Sie bestraft, wenn sie sich wieder mit den Stallburschen gerauft oder eigenmächtig Ausflüge ins Moosgrunder Umland unternommen hatten, während er sich hinter Bittschriften, Urkunden und einer Unterzeichnung harrenden Erlässen vergraben und um die Verwaltung des kleinen Lehens gekümmert hatte. Und der Wulfgar und Ardariel süße Stückchen aus der Küche gebracht hatte, wenn Rondred sie wieder zum Stallausmisten verdonnert hatte.

Er duckte sich mit einem verhaltenen Seufzer ob der nötig geworden Verbeugung unter einem allzu nachlässig gespannten und tiefhängendem Zeltvordach durch und wich damit einer die Zeltgasse verstopfenden Ansammlung von leicht gerüsteten Mitgliedern der Zweimühlener Landwehr aus, die eine der Patroullien der Talfer Garde abgepasst hatten und sich scherzend und gelöst über Neuigkeiten aus dem Umland unterhielten. Natürlich hätten die Gerüchte spätestens bis zum nächsten Markttag in Zweimühlen die Runde gemacht, aber die Gesprächsfetzen, die an sein Ohr drangen, klangen eher nach einem lebensfrohen Ausdruck der großen Erleichterung, die mit der im letzten Moment abgewendeten Schlacht einhergegangen war. Innerlich hallte immer noch das Wimmern und Jammern, das Klagegeheul und Schluchzen nach, dass ihn damals eingehüllt und nach der Schlacht wie benommen zwischen den Zelten hatte umhertaumeln lassen. Orientierungslos, wie betäubt und zwischen alleine aufgrund ihrer bloßen Anzahl und Vielzahl verwischten Gesichtern der Vorbeistreifenden auf der Suche nach seinen Waffenbrüdern und -schwestern umherstolpernd. Er zweifelte nicht daran, dass es hier nicht anders gewesen wäre, wenn der Tag einen anderen Verlauf genommen hätte. Doch die Götter hatten Gnade gezeigt und alle Seiten vor großem in seinen Folgen unabsehbarem Blutvergießen bewahrt. Kein offener Krieg zwischen dem Falkenbund und Zweimühlen, sondern letztlich nur das Rasseln mit zweifelsohne geschärften Säbeln.
Etwas, dachte er sich, als er auf das große, schwarz und gold gekachelte Turnierzelt zuhielt, vor dem zwei junge Frauen in Kettenhemden zwei Pferde, einen großen gescheckten Warunker und einen einen elegant tänzelnden schlanken und gleichzeitig muskulösen Rappen, am Zügel hielten und hier in der jungen Morgensonne offensichtlich der Rückkehr ihrer Lehnsherren harrten. Die kleinere der beiden, eine Frau mit einer streng geschnittenen Topffrisur, deren Haare im Schein von Praios Antlitz golden über dem Wappen mit dem darpatischen Stierkopf leuchteten, musterte ihn, ohne eine Miene zu verziehen. Die zweite, eine vom Feuer geküsste Jungfer, auf deren blasser Haut zahlreiche Feenküsse sprossen, hielt die Augen strikt auf den Zelteingang gerichtet, während ihre behandschuhte Hand auf dem Schwertgriff an ihrer linken Seite lag. Eine goldene Scheibe prangte auf dem grünen Wappenrock, den eine goldene Borte umrahmte. Vor dem Zelteingang hatten zwei Soldaten Zweimühlens Stellung bezogen, ein älterer, an den Schläfen bereits ergrauender Mann mit sorgsam gestutztem Bart und kurzem Bürstenschnitt und eine junge unscheinbare Frau mit schulterlangem braunen Haar und einer hässlichen Hasenscharte über dem linken Mundwinkel. Beide trugen Kettenhemden und den gelben Wappenrock mit den beiden roten Mühlrädern und an der Seite ein Kurzschwert. An ihrer Haltung hätten Offiziere der alten, inzwischen fast vergessenen Wehrheimer Schule sicherlich das eine oder andere auszusetzen gehabt, aber die Wachsamkeit, mit der sie ihn in Augenschein nahmen, verriet dass sie sich auf einem guten Weg befanden. Gemäß ihrer Befehle trat der Ältere beiseite und die junge Frau schlug die Zeltplane zur Seite, um ihm Zutritt zu verschaffen und unterstrich dies mit einem knappen Nicken.

Als er sich unter dem gekachelten Stoff hindurchduckte, benötigten seine von der schlaflosen Nacht noch müden Augen einige Sekunden um sich an das Dämmerlicht im Zeltinneren zu gewöhnen, das nur durch eine Öffnung im Zeltdach und zwei weitere in der Zeltwand vom Morgenlicht gespeist wurde. Weit heruntergebrannte, nur noch trotzig flackernde Kerzen stemmten sich in wachsverkrusteten Zinnhaltern auf dem großen Holztisch in der Mitte des Raumes gegen das Zwielicht, in dem mehrere schemenhafte Gestalten über Karten und zahllose Schriftstücke, die dort verteilt lagen, gebeugt standen. „… in der hinteren Wutzenmark. Die Reiter sollen jegliche Bewegungen entlang der Grenzlinie zu Gallys beobachten. Es ist unwahrscheinlich, aber sicherlich nicht ausgeschlossen, dass von Eulenberg Teile seiner Truppen abspaltet, um festzustellen, wie lange der Verbund hier lagert.“ Wulfgar wischte mit dem Finger über die fleckig gepunktete Grenzlinie im Osten, die das Drei-Baronien-Eck zwischen Gallys, Zweimühlen und Grassing teilte. Die ruhige, im Vergleich zu dem Grollen seines Neffen fast leise wirkende Stimme von Answin dem Jüngeren von Rabenmund antwortete ihm als erste. „Mit Eurer Erlaubnis, Herr von Moosgrund, könnten ausgesuchte Späher meines Banners eure Kontingente aufstocken und den Bereich, den sie abdecken können, erweitern.“ Obwohl er inmitten der hochgewachsenen Krieger wie Wulfbrandt von Rosshagen, Praiodan Bernfried von Bregelsaum und Wulfgar selbst, fast schmächtig wirkte, verlangte ihm der in eine prächtig verzierte, brünierte Plattenrüstung nach Garether Machart gehüllte Mann mit den hageren, glatt rasierten Gesichtszügen Respekt ab. Er konnte seinen Finger nicht darauf legen, was genau es war, was ihm dieses Zugeständnis entlockte, aber der Baron von Bröckling war ein Musterbeispiel für den alten Schlag des darpatischen Adels, dessen berühmt-berüchtigter Vorfahr vor einigen Jahren noch das Mittelreich in eine seiner schwersten Krisen gestürzt hatte. Kompromisslos, stolz und standesbewusst hatte er unter dem alten Ochsenbanner einige der ältesten wenngleich auch nicht zwangsläufig einflussreichsten Häuser der Mark um sich gescharrt. Auch wenn er hier gönnerhaft und als Förderer des neuen Gleichgewichts in der Mark auftrat, wusste Willbrecht, dass ihn die Fortschritte des Falkenbundes gerade unter dem Bekanntwerden der Rückkehr der „Fürstin“ unter Zugzwang gesetzt hatten.

Wulfgar hatte die Stirn in Falten gelegt und nahezu unmerklich streifte sein kurzer Blick in die Runde auch ihn, seinen Ohm. Offensichtlich genügte das, um ihn in seiner stummen, selbst gefällten Entscheidung zu bekräftigen. „Unser Dank für Euer großzügiges Angebot, Euer Hochgeboren, aber seid versichert, dass unsere Grenzreiter in der notwendigen Anzahl das uns wohlvertraute Gelände überwachen. Noch vor unserem Aufbruch in Zweimühlen habe ich entsprechende Anhebungen angeordnet und veranlasst.“ In seinem Lächeln, dass sein schlohweißer, wallender Bart und der Schatten, in dem er sich zum größten Teil noch befand, verbargen, spiegelte sich der ehrliche und aufrichtige Stolz auf seinen Neffen wider. Wulfgar hatte in den vergangenen Monden viel gelernt und in Momenten wie diesen, war es ihm, als würde er das leibhaftige Abbild von Avon dort zwischen Baronen und selbsterklärten Fürsten stehen sehen. Natürlich verfügte Zweimühlen bei der Stärke mit der sie hier auf dem Feld erschienen waren weder über die Mittel noch über die freien Kräfte, um das weitläufige Gelände alleine abzudecken, der Vogt von Zweimühlen hatte jedoch erkannt, dass dies der falsche Rahmen war, um eine solche Schwäche vor einem möglichen künftigen Konkurrenten einzuräumen geschweige denn ihm einen tieferen Einblick in die östlichen Grenzlande der Baronie zu gewähren. Nicht wenige hätten in dieses großzügige Hilfsangebot eingewilligt, aber es war ein nicht ungefährliches Geplänkel zwischen den Zeilen, dass ihm wieder ins Gedächtnis rief, worum es sich bei dieser Zusammenkunft wirklich handelte. Ein loses Zweckbündnis, dass nur die Machtdemonstration gegenüber einem gemeinsamen Feind zusammenhielt, der seine eigene politische Karte jetzt um einige unvorhergesehene und schwer zu durchschauende Seilschaften ergänzen musste.

Answin senkte kurz sein Haupt zur Erwiderung auf Wulfgars respektvolle Absage und seine schmalen Lippen spannten sich zu einem dünnen, aber keinesfalls unfreundlichen Lächeln. „Ich werde meine Truppen täglich um eine Anzahl von 3-4 Reitern verringern, die morgens im Rahmen und Anschein eines Patroullienrittes aufbrechen und nach Bröckling zurückkehren. Durch die Häufung an Plünderungen nahe der östlichen Grenze zu Wutzenwald durch die Bande von Sharkush Morchai sehe ich mich gezwungen hier zu Gunsten unserer eigenen Grenzsicherung von einer längeren Stationierung abzusehen. Die gestellten Zelte werden wir jedoch bis zum ganzheitlichen Auflösen des Feldlagers hier zurücklassen, um Spione, die sich vielleicht unter die Flüchtlinge aus Gallys oder Wutzenwald gemischt haben, über unsere tatsächliche Stärke im Unklaren zu lassen.“ Wulfgar nickte und ließ seinen Blick zu Praiodan Bernfried von Bregelsaum gleiten, der neben Willbrecht und Helmbrecht von Weihenhorst aus Goldweiler der Älteste hier im Zelt war, sich aber hier mit seiner aufrechten Haltung und seiner strengen, autoritären Ausstrahlung sichtlich nicht unwohl zu fühlen schien. Auch er war ein sprichwörtliches, aber in keinster Weise abschätzig betrachtetes Relikt aus älteren Zeiten, der noch das alte Darpatien erlebt hatte und auch einen Teil dieses alten, vergessenen Glanzes in dieses Zelt und die Reihen der größtenteils jüngeren und bei weitem weniger namhaften Würdenträger des in jüngster Zeit als „neues Herz der Mark“ bezeichneten Landstriches trug. Männer wie Erlan von Dunkelstein-Schnattermoor oder auch Brunerich Eichblatt sahen zu ihm auf. Es war abzusehen, dass das Haus Bregelsaum eine gewichtige Rolle bei der Befriedung der Mark zukommen würde. Zudem verhielt sich sein Haus weitaus weniger expansionistisch als die untereinander auch noch zerstrittenen Teile des Hauses Rabenmund und verzichtete in diesem Zusammenhang auf die durchaus nicht seltenen und berechnenden Provokationen an ihre direkten Anrainer. „Wir werden bleiben. In Angesicht unserer Waffenbrüderschaft hier auf den Feldern vor Talf und der Tatsache, dass auch meine hochgeschätzten Nachbarn hier geeint stehen, trage ich die Hoffnung im Herzen, dass unseren Grenzen augenblicklich keine anderen Gefahren drohen, welche den Abzug meines Heerbanns begründen könnten.“

Seine geschätzten 30 Reiter, darunter bestimmt ein Dutzend Ritter mitsamt Gefolge waren ein über ein bloßes Lippenbekenntnis hinausgehendes Versprechen an den Talfer Bund und unterstrichen seine Ambitionen den Falkenbund an einer weiteren Eskalation an der Reichsstraße zu hindern. Aber es war bei weitem nicht alles, was der einflussreiche Baron ins Feld führen könnte. Auch hier schwang also eine versteckte Drohung mit, die aber weniger gegen Dergelsmund und von Rosshagen als vielmehr gegen von Rabenmund und die zurückliegenden Nickeligkeiten gerichtet war, die jetzt mehr noch als sonst als unnötige Nebenschauplätze begraben werden sollten. Ein kurzer aber eindringlicher Appell ohne Säbelrasseln oder beleidigende Schuldzuweisungen. Willbrecht war beeindruckt. Wulfgar ließ die Dankbarkeit gegenüber dem Baron von Königsweber in einem freundlichen Lächeln durchschimmern und ließ die Worte von Praiodan kurz nachwirken, bevor er selbst wieder das Wort mit wieder in Ernsthaftigkeit erstarrender Miene ergriff. „In Absprache mit Talf und den übrigen Mitgliedern des Städtebundes werden wir eine Verstärkung der dauerhaften Präsenz an der Reichsstraße in Erwägung ziehen. Angesichts der noch ungeklärten Zugrichtung von Sharkusch Morchais Mordbrennern und der ungewissen Loyalität der Baronie Gallys, auf die der Falkenbund zumindest soweit Einfluss auszuüben vermag, dass sie ihm Durchzugsrechte gewähren, erscheint mir dies als das Mindeste, was wir tun können, um den gegenwärtigen Status der Stadt Talf zu wahren und den freien Handel über die Reichsstraße zu sichern.“ Wulfgar richtete sich auf und verschränkte die Arme hinter dem Rücken. Der Stahl der Plattenteile seiner Rüstung glomm matt im Kerzenschein und im flackernden Lichthof schienen sich die Flügel der Gravur des herabschnellenden Falken, der seinen bartbewehrten Plattenkragen zierte, zu bewegen. „Die Zweimühlener Landwehr wird die kommenden beiden Tage gemeinsam mit unseren Verbündeten hier für ausgiebige Waffenübungen nutzen und dann wieder abziehen. Bis die Lage sich weiter entspannt hat, werden wir hier jedoch den grundlegenden Lagerbetrieb aufrechterhalten und in enger Zusammenarbeit mit den Mitgliedern des Städtebundes für eine ausreichende stehende Besetzung und gesicherten Nachschub sorgen …“ Genaue Zahlen gab er nicht preis, aber es war zu erwarten dass das Klären dieser offenen, ungestellten Frage auch Bestand der anstehenden Gespräche mit ihren Bundgenossen sein würde. Wulfgar wusste, dass der Kostenpunkt dieser Unternehmung, zu der er sich gezwungen sah, nicht unerheblich sein würde und er warb deshalb offensichtlich um die Unterstützung ihrer Verbündeten. In gewisser Weise pochte er auch darauf, aber das würde er später erst im Gespräch mit den Einzelnen hervorheben. Wenn der Städtebund von Zweimühlen sich wirklich als Machtfaktor beweisen wollte, dann war jetzt der Moment gekommen, um zusammenzurücken. Zweimühlen konnte diese Last nicht alleine schultern.

„Wir verfolgen die weiteren Schritte des Falkenbundes mit gesteigerter Wachsamkeit und Sorge ob der kursierenden Gerüchte um die Rückkehr und den Zug der Fürstin, unser größtes Augenmerk gilt allerdings unserer von der Kaiserin höchstselbst bescheinigten Souveränität und des Fortbestehens der gezogenen Grenzlinien. Alles, was hier, auf diesem Feld geschehen ist, war eine Machtprobe des Falkenbundes. Es wäre töricht anzunehmen, dass die Bedrohung hiermit auf Dauer abgewendet ist, jedoch hat der gestrige Tag uns eine Erkenntnis gebracht, die nicht mit Gold aufzuwiegen ist. Wenn die hart erkämpfte Stabilität und der ohnehin unsichere Frieden dreist auf die Probe gestellt werden, stehen wir zusammen.“ Und mit einem Ausdruck ehrlicher Dankbarkeit wandte er sich mit einer Verbeugung direkt an die Barone von Bröckling und Königsweber, aber auch an Goldweiler, das sich erst jüngst dem Städtebund angeschlossen hatte. „Oder rücken zusammen.“
Session: Der Zug der Fürstin - Der Tanz auf der Klinge - Monday, May 29 2017 from 11:00 AM to 2:00 PM
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Ish
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Another Day's Story
Ish lived a typical childhood among his people. His days where spent playing, exploring, performing chores, and learning the skills necessary to survive on the cold steppe. At night he often sat by a campfire listening to bards bring the stories of the Charamesh to life.

As an adolescent Ish became a "runner", carryng messages between clan encampments, raiding parties and their scouts. It was also at this time that Ish began to experience intense nightmares involving Gruumsh, He Who Never Sleeps. In these nightmares Gruumsh would always show Ish visions of a calamity that would someday befall his clan. When he woke Ish would always forget the details of these prophetic nightmares, but still feel deeply disturbed by them. By the time he was a young adult Ish could no longer ignore what seemed like a direct warning from Gruumsh. Not long after the start of his twentieth year he set out West in the hope of discovering the meaning of his dreams, as well to sate his growing curiosity about the world that existed beyond the Great Wastes.

A little over two years into his journey Ish made camp after a long day of foraging and hunting. As he lay down to rest he stared at the starry sky above him and felt more at peace than he had in a long time. Though Gruumsh still came to him in his dreams, as he does to all Orcs and half-Orcs, Ish hadn't had a nightmare in weeks. He fell asleep thinking of the open road ahead of him.

He awoke later inside a Drow slave pen, surrounded by strangers, somewhere in the Underdark.
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Lhynard
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De Exilio
Chapter 4 — Tavis Burdun
~ ninth-day, 19th of Uktar, The Year of Wild Magic, evening
The Weary Giant Inn and Orphanage


After a day of shopping for new gear and supplies in the town of Hartwick, over the western bridge, the party had taken the ferry over the Clear Whirl (avoiding the floes of ice) and trekked back over Coggin's Rise to Stagwick, where they were now staying once again at the Weary Giant Inn. They had thought it best to wait in Stagwick, having asked that Livia, the keeper of the inn, might send a message to her friend Tavis, the queen's husband, to speak with him. She was willing to introduce them to Tavis, but she did not know how she, a simple peasant, might get a message through to the royal castle. She had suggested that Tavis might visit sometime, as he was fond of doing so. Without any other options, the group stayed at the inn and helped with the chores.

   Belvin, for his part, had not been satisfied with the stories that they were being told by those such as the queen or Basil the runecaster, or rather, he was not satisfied with what they were neglecting to tell. "When we were on Mount Woe, I spoke with the birds," he had told his companions. "They told me that three migrations ago, the birds went with the giants when the biggest giant of all called them. There was a baby in a tower with its mother. There was a great battle, and many birds died when they flew in the faces of the bad people who were trying to kill the giants and were struck down. Three of the giants died also. The giants, who were always sad, were even more sad. The old giant leader was the saddest of all the giants. Not even the birds could bring him comfort any more. He stayed in the garden and played sad music. Sometimes the birds sang along with him."

   "Was this the giant we passed in the garden?" they had asked him. "Why did you not tell us?"

   "I did not need to tell you! I went and spoke to him myself. He was Anastes, the former paramount. He spoke with Hartkiller's descendant, the human queen. He was the only one of the six summoned giants who saw her child. He said that the child was ugly, even for a human, and hideously deformed, looking like an ettin or ogre."

   They had discussed what this might mean. Had Brianna been raped by an ogre when she had been taken? Was Galgadayle's prophecy indeed true? Had the High Priest Simon lied? Had the queen really had twins? Was the ugly one protected in the castle? Was the other twin in hiding elsewhere? Perhaps within this very orphanage? Or did the prince have a dual nature? Was Camden, in fact, the true heir of Ottar?

   So Belvin had used fire to melt himself a pool of water. After calling upon the power of his dwarven jungle god in an hour of rhythmic chanting, he commanded the pool to show him Camden. In the rippling water, he saw the image of an old man, dressed in rags, with a mug in his hands, and hunched over. He watched the man for a long time, but he only ever got up to acquire more ale from a barkeep. He spoke with no one. Wherever King Camden now was, he was reduced to a lonely drunk. Belvin invested another hour to prayer and also tried scrying on the queen's son, but the pool remained empty.

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It was the very next morning, the last day of the second tenday of Uktar. Solisar had been the first to rise, as was typical, since his magic ring required even less rest than a typical elf. He spent the early morning studying an assortment of new scrolls he had purchased and deciding in which order he might add them to his spell book. Then he decided to head downstairs for breakfast to see if anyone else was awake.

   The dining area was mostly empty, except for a few of the older children sweeping and a single figure sitting at one of the tables. He was a burly giant of a man, broad-shouldered and taller than Solisar while sitting. His bare arms were almost bursting with muscles. He looked middle-aged, but his hair was completely gray. It was swept back and wavy and hung to just above his shoulders. He had a full beard of medium thickness. A large, bronze medallion with a knotted design was hanging from his thick neck and a heavy, warm cloak hung over his shoulders.

   The man was looking directly at Solisar as he approached, from head to toe. He seemed to spot Solisar's magic boots, and commented to himself, "Ah, Boots of the Winterlands! That explains why I never saw the tracks of a gold elf among them."

   "I am Solisar Keryth," said the elf. "Is it correct to assume that you are Tavis Burdun? Well met."

   "Alae," said the firbolg. "Indeed, I am! Equally well met. I suspect that we have much about which to talk."

   "I agree," said Solisar, "but I think it may be best that I be joined by my companions first."

   "Make sure to call in the wild-looking one who is sleeping in the stable with the desert mounts — strange prints those beasts leave!"

   "I shall do so," said Solisar, and he turned to go back up the stairs to the rooms.

   "There is no rush," said Tavis, standing up to his full height and banging his head on the ceiling, which he simply ignored. "Let them wake to the smell of breakfast! I miss the mornings when I fried eggs here in the kitchen for the children. Would you and your friends want venison with your eggs?"

   "That sounds delightful," said the sun elf, "but one of us does not eat meat."

   "That is his loss then!" said Tavis.

   "Tavis!" squealed a little orphan girl with glee, having just come down the stairs.

   "Ami!" said Tavis.

   She ran over to him and jumped onto his forearm, which was thick enough and strong enough to support her tiny frame. He lifted her into the air as one might raise a parrot or falcon, and he rubbed noses with her affectionately.

   As the smells of breakfast spread through the inn, more and more of the children — and the adventurers too — entered the main room and greeted the firbolg. He was soon surrounded by the children and took care to greet and to speak with each one. So it was that the adventurers were not able to ask him any questions until an hour later, after a hearty breakfast and jolly discussion about happenings in Stagwick with all of the children, young and old.

   Finally, Tavis politely dismissed the orphans, with the exception of Livia, who cleared their plates. "I have heard of you adventurers from my wife," he said, as the last little feet ran up the stairs. "I shall be honest and tell you that she has no trust of you, but she is quicker to make judgments than I. I have come to find that covers do not always reveal what is within a book. (Take Basil, for example!) She is, understandably, nervous about matters related to our son. I, however, cannot deny the strange manner of his birth, and while I know that Annam had no part in Lanaxis' schemes, this does not mean that Annam has no plans at all for the boy.

   "Before I continue, though, I want to hear your tale with my own ears. Why should we trust your story? I caution you that, though I cannot lie myself, it does not mean that I cannot recognize lies in others!"

   So the party told Tavis the story of how they had been exiled by a powerful magic user and how, in their quest to get back to their homes, had fallen into service with a powerful genie from ancient Jhothûn. They kept no secrets from him in regards to the genie's quest, but they did not explicitly tell him the location of the portal in the High Ice. (Had any of them tried, Leokas would not have allowed it, being still bound by the power of the genie's magic to protect it.)

   "There is a magic throne in the main citadel," said Hakam. "It recognizes only the rightful heir of Ottar Annamson. All we ask is for the queen or her son to sit upon it. Indeed, we are asking a great commitment of you, but certainly, the power and riches that could await your son — is it not worth it to try? Please pardon any offense, but your country is isolated and poor, compared to the countries of the south. With also a genie at his command, think what Hartsvale could become."

   "The boy is not even four years old!" said Tavis, "but I admit that I am both fascinated and satisfied by your words. Basil knows far more about the history of the giant races than do I, but it is hard to deny that the Celestial Children of Annam are at work in this. Take another swig of your elderberry wine. What I am about to tell you may be hard to believe — I am baffled by it myself — but I am sure you have heard how hard it is for a firbolg to lie."

   "Yes, you yourself told us so, a minute ago," said Belvin.

   "Ignore him," said Hakam. "His people skills are somewhat lacking."

   Tavis did not seem phased by the interruption. "By some miracle, Kaedlaw, my son, has two fathers." He let the statement hang in the air for a moment before continuing. "You have spoken to Basil, I know. I expect that he was happy to share the story of our victory over the Twilight Spirit but reluctant to speak of the birth of the boy, or else he sneakily avoided the topic altogether and talked of other things. My wife rarely speaks of it, for she feels guilt in the matter, but she was a victim and is without fault in my eyes.

   "After Basil, Avner, and I first retrieved Brianna — mind you, it was she who decapitated Goboka, not we — we returned together and deposed King Camden. Brianna was now queen, and custom demanded that she take a husband from among the noble humans of the land. We were in love, but a queen sometimes must choose honor over love, or so we believed. As painful as this was to both of us, I understood that I could never marry her. She had accepted that she would take a political marriage without love for the good of the kingdom.

   "So she did not waste time in beginning to see suitors, some from among the nobles of our own land, and some from foreign lands. An attractive man arrived, Prince Arlien. I do not even remember from where he claimed to hail. I had accepted that Brianna would have to marry another, but I also believed that she would not love him. To my horror, she began to show obvious signs of attraction to this man, and it quickly appeared that she would choose him as her husband and consort.

   "In reality, Arlien was Arno and Julien, the two beings in one body of the first ettin, a direct son of Annam and the youngest of his terrestrial children besides Hartkiller. The Twilight Spirit had not given up; having failed at breeding Brianna the first time, he now tried a more subtle approach. He used his magical arts to disguise the ettin, and beyond this, Arlien drugged Brianna and took her to bed.

   "I was too late to discover the treachery and stop it. Brianna, having been freed of the spell, and I did together slay each head of the giant, but the deed was done.

   "Brianna decided then that 'tradition be damned;' she was queen and she would 'marry whomever the Hells she wanted to.' We were married before a tenday had passed. Because our marriage was consummated so quickly after she was raped, I did not know who the father was when she announced a month later that she was pregnant. She, however, had convinced herself that I was the father and would hear nothing to the contrary.

   "It was not long before the seer of the Meadowhome clan of firbolgs, Galgadayle, arrived with his portent that Brianna would bear twins, one fair and one ugly, and that the ugly one would bring the downfall of the races of the valley. Brianna immediately sought the High Priest of Stronmaus, Simon, who assured her by his prayers and magic that only one child was in her womb. Again, she believed Simon, but I was hesitant. First, Galgadayle had never been wrong before, and second, I trusted a firbolg's word over that of a human's, especially one as arrogant as Simon.

   "Firbolg pregnancies are much longer than human ones, so I was not surprised when Brianna remained with child for first one and then two years, but as each month of the third year passed, my anxiety grew stronger. No firbolg or human child grew for so long in the womb, and never have a seen so large a belly on a human woman. Brianna could barely walk lest she fall over!

   "In the Year of the Gauntlet, the queen was at one of Earl Wynn's new mines in the Gorge of the Silver Wyrm to dedicate and bless it, when fire giants attacked us. We were separated in the fighting, and while my wife was hiding within one of the mines, Avner, who was like a son to us, helped her deliver the child. So big he was, that Avner had to cut him out of her belly. (Thankfully, my wife is also a priest of a goddess of healing!) As she nursed her son, she saw a handsome, although enormous, boy that looked like me, and she even named him 'Handsome' in the firbolg tongue. But Avner saw a hideous monster of a child, deformed, ugly,... and ettin-like, like Arno, the uglier of the ettin's two heads.

   "When I found them again, I too saw an impressively ugly face. It soon became apparent that the child appeared at first as one expected him to look. To the firbolgs he appeared as a monster; only to Brianna and Avner did the boy appear handsome — and for Avner only after he tried hard to see him that way.

   "Basil suspected that Galgadayle's prophecy was in one sense true — as an ettin was two beings in one body, so Brianna's son was two beings in one body, my son and the ettin's son.

   "Lanaxis' arrival spared us deciding how to respond to this. Instead, we found ourselves in pursuit of the great titan. Surely, Basil shared this part of the story with you?

   "Basil talked me into trying to obtain the Sky Cleaver, and his brilliant scholarship led us to it. I did not expect how heavy a burden the axe would be to carry. It drained me of my moratlity while at the same time granting me invulnerability, yet I see no other way that we could have bested Lanaxis.

   "Best him we did, and when I at last was reunited with my wife and the child, I had to decide what to do. The Sky Cleaver, we had been discovering, could cleave more than just physical things. It could 'cut to the heart' of any matter. I thus used its power to 'cleave' Kaedlaw's enchantment. There, in Brianna's arms, was now a boy neither overly handsome nor exceptionally ugly, just rather normal-looking, with clear features both from me and from the ettin. Basil saw this as a sign that his destiny would depend on how he was raised.

   "So that is my strange tale. As hard as it is to fathom, Basil and I believe that Kaedlaw carries the blood of Annam through Hartkiller and Brianna and through the ettin and carries the blood of Othea through the same and through me, a firbolg. After so many millennia of rejection from the All-Father, I wonder if this supernatural conception is a sign of his adoption, as it were, of the giant-kin races. Is it a show of forgiveness to his now-dead spouse?"

   "What can you tell us of your own lineage?" one of them asked him.

   "I was an orphan," said Tavis, "born under a red moon, as my people say, which is to mean that my mother died giving me birth. My people are very sensitive to omens and signs, and to be born under a red moon is to be cursed. I was expelled from my clan and raised among humans by the kindest woman I have ever met, Isa Wirr, here at this very orphanage. She was a mother to me, and she passed this place onto me at her death. I do not even know my father or my mother's names."

   Then Solisar spoke up. "Having heard your story, I am now convinced that your child will be able to sit on the throne of Jhothûn. Yet we are not the ones in need of convincing. Is there anything else that we can do to prove ourselves and our purpose to the queen, your wife?"

   "Let me return to the castle and try to reason with her," said Tavis. "Wait here until I return again. Brianna wants our son to grow up as a normal boy, but even after he was freed of his 'condition', he cannot be called 'normal'. At three-years-old, Kaedlaw is almost as tall as some of you! If Annam has chosen him, if Stronmaus has led you here, why should we fight against their will? If Kaedlaw is to go with you, I would accompany you. While I trust you more than does my wife, I still care about my son's safety. He is my boy too, after all! How far is this throne?"

   "We would travel there by a hidden portal," said Solisar.

   "We cannot tell you its location," said Leokas, "but I estimate that the portal is 300 or 400 miles from here, as the crow flies."

   "Yet we are not crows," said Tavis, "and winter is here...."

   "You said that the Sky Cleaver can cleave non-physical things," said Belvin. "Can it cleave distances, make our journey shorter?"

   "I suspect that it could," said Tavis, "but I no longer have it. I gave it back."

   "Gave it back?" asked Cassiera. "To whom?"

   "To Annam," said Tavis. "The blade was never meant for mortals. Look what it did to Basil, who only held it for a few minutes.

   "I was able to wield the blade for a time, yes; however, Lanaxis had more of a right to the axe than I, being a direct son of the All-Father, and he tried to recite the words of binding to take it from me by the strength of his will and rage. Knowing that I had no hope to resist his power, I took a chance that the power of mercy might outweigh the power of hate. With my final swing before he completed the ritual words to draw the weapon from my hands, I used Sky Cleaver to reveal the truth to Lanaxis rather than strike him down. Instantly, we were both transported — whether in our bodies or just within a vision, I do not know — to Annam's presence. Lanaxis pleaded with his father, but the god expelled him a last time from his presence, claiming that Lanaxis' plans were never a part of his will, that the voices in the titan's head were those of madness, not of divine guidance. Lanaxis was cursed to be a mortal, and the last I saw of him, he flew far to the west in his shadowroc form. I then offered the axe back to Annam, who took it from me. The next thing I know, I woke up on the ground with Basil, Brianna, and Galgadayle around me. When I had finally faced Lanaxis, I had looked worse off than Basil does now — nearly transparent I was — but after I gave the axe back to Annam, he restored my flesh. Only my gray hair still shows sign that I once carried the weapon."
Session: 85th Game Session - Wednesday, Feb 01 2017 from 5:00 PM to 8:00 PM
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